Stoffwindeln – der Bericht über einen glücklich missglückten Versuch

Hallihallo, meine Lieben. Heute einmal ein ganz anderes und ganz (so hoff ich) unverfängliches Thema: vor etwas mehr als einem Jahr haben wir angefangen, mit Stoff zu wickeln und ich wollte Euch jetzt einfach meine/unsre ganz persönlichen Erfahrungen berichten.

Interessiert haben sie mich ja schon lang. Jedes Mal, wenn ich in einem der etwas hm, alternativen Babygeschäfte war, bin ich vor den Stoffies gestanden und hab sie bewundert, weil sie so schön bunt waren und sie ja eigentlich so gut reinpassen in mein möchtegern-teilzeit-Öko-Konzept. Gesiegt hat das aber doch immer das große ABER. Aber die Wäsche. Und es ist grauslich. Und sicher werden die Kinder wund davon. Und ich schaff’s eh schon jetzt nicht und überhaupt und sowieso. Dann fingen in meinem Umkreis immer mehr Mamas mit Stoff an und irgendwie wird das Thema dann immer interessanter. Mein Tod sozusagen war dann, dass unser nächstgelegenes Kindergeschäft auch Stoffwindeln ins Sortiment genommen hat. Und in meinem neugierigen Hirn hat sich eine Idee gebildet: vielleicht würden die Stoffies meinem Großen ja beim Trockenwerden helfen? Weil klar, in Pampers spürt das Kind nicht, wenn es nass ist. (Als Erklärung dazu: Brüderchen Feuers Blase hat noch nicht kapiert, dass sie ihn nachts aufwecken muss zum pinkeln. Tagsüber klappt es schon lang.) Und dann könnte es ja Brüderchen Wind auch unterstützen, von dem wir ganz fest geglaubt haben, dass er im letzten Sommer sauber wird. Also haben wir den Versuch gewagt (nein, ich. Über den Kopf der anderen Beteiligten hinweg *duck und weg*)

Langer Rede kurzer Sinn: der Versuch ist kläglich gescheitert. Weder Brüderchen Feuer noch Brüderchen Wind wurden/werden dadurch in irgendeiner Form schneller ihre Windeln los. Geblieben sind die Stoffwindeln trotzdem und haben sich irgendwie auf wundersame Weise (gaaaaanz von selber, ihr kennt das. So wie Tragtücher) vermehrt. Bei einem System geblieben bin ich nicht. Ich fand’s viel viel netter, verschiedene Systeme (und natürlich Designs) zu haben. Echter Spaßfaktor beim Wickeln. Beide Kinder, die immer wieder mit Windeldermatitis zu tun hatten, waren mit den Stoffies eigentlich nicht mehr wund, wohl dann aber in den www (Wegwerfwindeln). Also wund, nein, das wär jetzt übertrieben, aber rot. In den Stoffwindeln hat sich das immer wieder schön schnell beruhigt. Brüderchen Wind ist übrigens ausgerechnet bei  Familientreffen in Portugal vor knapp zwei Wochen sauber und trocken geworden. In den nächsten Tagen werden wir’s auch nachts ohne Windeln wagen. Ich seh das definitiv mit einem lachendem und einem weinendem Auge, aber eigentlich ist es total cool eine super Entlastung. Und -Memo an mich selbst- ich werd mich nie wieder beschweren, wenn ein Kind „erst“ mit drei sauber und trocken wird. Denn dann sind sie auch vom Kopf wirklich so weit und Unfälle passieren eigentlich kaum. Also grad bei Brüderchen Wind war es richtig schnell und zuverlässig. Selbst die Fahrt nach Graz und wieder zurück hat er trocken überstanden. Ich bin so stolz auf ihn! Und es ist ja nicht so, dass die Stoffies lange ungebraucht sein werden, denn wir werden Upsi definitiv von Beginn an mit Stoff wickeln (huhu und wink an alle Nachbaren, Freunde, Bekannten, die das noch nicht mitbekommen haben: ja, ich bin schwanger. Nein, es war absolut nicht so geplant. Nein, wir wissen nicht so richtig, wie das alles funktionieren wird. Doch, wir freuen uns trotzdem ganz ganz sehr! Und jaja, wir wollten tatsächlich ein drittes Kind… nur wenn’s nach uns gegangen wäre, dann vielleicht nicht grade jetzt in der Bauphase!) und ich bin schon so neugierig, wie das mit einem Neugeborenen wird… Windeln und sonst nix *hach*.

Aber wieder zu den Windeln und meinen Erfahrungen damit. Ich hab mir gedacht, ich schreib Euch übersichtlich einige Aspekte, die mir so am Anfang durch den Kopf gingen, auf.

  • Man muss so oft wickeln: Jein. Ja, man muss öfter wickeln als mit www, das stimmt. Sollte man aber ja eigentlich eh. Aber ja, grade bei Ausflügen und so muss man das natürlich einrechnen. Ich hab dann für längere Fahrten halt oft www genommen. Also teilzeit-stoffwickeln geht definitiv auch gut. (Zumal wir wwws und Windelkübel eh hatten/haben mussten, weil sie im Kindergarten keine Stoffies genommen hätten). Bei Upsi möchte ich das probieren, auch mit den Stoffies wegzugehen und werd dann definitiv berichten, wie das so ist!
  • Halten sie dicht? Um… ja. Unterschiedlich gut und lang, aber ja, sie halten durchaus (sonst würden wir alle das ja auch nicht mache, wenn die Windeln nur rinnen würden). Ich komm je nach System auf zwei bis fünf Stunden, die die Windeln aushalten, wobei die fünf Stunden ausschließlich die Überhosen mit Einlagen geschafft haben (generell das verlässlichste System, find ich). Nachts stopft man dann natürlich dicker (sie müssen ja dann damit nicht herumrennen) und dann halten die schon auch gut. Wobei wir da die höchsten Fehlerquoten hatten und grad jetzt beim Großen eigentlich täglich Pyjama wechseln. Da muss ich definitiv wegen anderen (= saugstärkeren) Einlagen schauen. Aber zumindest bei meinen beiden waren Wegwerfwindeln nicht wirklich verlässlicher (außer Pampers, aber die kann sich auf drei Jahre Wickelzeit doch keiner leisten… also nicht keiner, aber die sind schon unverschämt teuer). Also: ja, bei uns sind sie öfter ausgeronnen als Pampers, aber nicht öfter als alle anderen Windelmarken, von daher würd ich eigentlich definitiv sagen, sie halten genausogut dicht wie wwws.
  • Aber die ganz Wäsche… Zugegeben, davor hatte ich auch den größten Respekt. Aber tatsächlich sind das zwei Maschinen in der Woche mehr, also eigentlich nicht schlimm. Ich bewahre die ausgewaschenen gebrauchten Windeln in einem Webtag auf und wasche alle zwei, ganz selten drei Tage. Es hat allerdings ein bisschen gebraucht, bis ich die Windeln richtig sauber bekommen hab (also so, dass man die Nase reinstecken kann und nicht riecht, dass die je in Gebrauch waren). Ich wasche auf 60°C intensiv und mit Wasser plus, wobei ich da jetzt probieren muss, ob es das wirklich braucht. Der Hänger bei uns war nämlich, dass unsere Maschine Wasser spart und dadurch nach der Vorwäsche nicht abpumpt. Und damit wäscht man dann natürlich die ganze Zeit mit der Suppe… jetzt spül ich nur die Windeln vorher durch und gib dann erst die restliche Weißwäsche dazu und nix stinkt mehr. Die PUL-Überhosen trocknen sehr schnell und den Rest kann man super auch in den Trockner geben, wenn’s schnell gehen muss. Also so kann ich nicht sagen, dass die Wäsche jetzt so ein Drama wäre.
  • Es ist so viel Arbeit… Ja, es ist etwas mehr Arbeit, aber ich muss sagen, ich persönlich hab das als nicht so schlimm empfunden. Wie ich wasche hab ich Euch ja schon oben beschrieben, dann trocken sie (die Höschenwindeln sind manchmal ein bissl mühsam… saugen gut, aber trockenen halt auch entsprechend langsam) und dann richte ich die Windeln fix und fertig her. Das nimmt halt alle zwei Tage ein bisschen zeit in Anspruch, aber ich hab das unglaublich entspannend gefunden (jetzt sind ja nur noch die zwei Windeln von Brüderchen Feuer, das ist in zwei Minuten erledigt). Und dadurch, dass die Windeln fertig sind, geht das eigentliche Wickeln dann auch nicht wirklich langsamer als mit www. Einzig das mit der hand auswaschen (grad wenn das Windelflies verrutscht ist und ein großes Geschäft drinnen war) ist gewöhnungsbedürftig. Aber dafür muss man halt nicht den Windelsack wegführen (und der ist erst grauslich) und kann eigentlich auch nie keine Windeln zuhause haben, weil im allerschlimmsten Notfall wäscht man eine Überhose mit der Hand aus und legt eine normale Mullwindel rein.
  • Aber die liegen doch dann immer im Nassen! Stimmt, stört aber absolut nicht! Am Popsch sind nur das Windelflies und der Stoff. Keine Chemie. Bei mir eigentlich immer Baumwolle, etwaige andere Einlagen liegen unten. Und weniger atmungsaktiv als eine www ist der PUL auch nicht, der dann als wasserdichte Schicht drüber ist. Das nass sein hat beide Kinder nie, auch nicht am ersten Tag der Umstellung, gestört.
  • Und der Riesenwindelpopsch? Grins. Ja, sicher ist eine Stoffwindel dicker als eine www. Aber das stört die Kinder nicht und es ist einfach SO süß. Aber man muss natürlich evtl. bei Bodies und einteiligen Pyjamas eine Nummer größer nehmen. Grad eben in der Nacht stopft man da mehr rein und dementsprechend dick sind die dann!

Was der für mich aber wichtigste Beweggrund ist, ist die Frage der Umweltverträglichkeit. Es stimmt natürlich, dass auch Stoffwindeln produziert und transportiert werden müssen, und sie müssen gewaschen werden, aber sie sind trotzdem um vieles umweltverträglicher als www. Besonders in einem Land wie Österreich, wo die meiste Zeit Wasser im Überfluss da ist. Gibt man sie mit der restlichen Wäsche in den Trockner, dann kommt da der Energieverbrauch natürlich dazu. Aber wie gesagt, es sind bei uns zwei Wäschepartien pro Woche mehr und das kann ich durchaus vertreten. Denn auch eine www braucht Wasser und Energie um produziert zu werden. Die viel wichtigere Sache ist der Müll. Ich weiß jetzt die Zahl nicht, wie viele Tonnen es pro Kind und Wickelzeit sind, aber das ist alles giftiger Plastikmüll. Von den Chemikalien, die bei der Produktion verwendet werden, die Kinder dann am Popsch haben und die dann wieder abgebaut werden müssen, fang ich jetzt gar nicht an. Dazu kommt das Mikroplastik, das frei wird, wenn diese Windeln sich zersetzen. Bei einer Stoffwindel fällt maximal das Windelflies an, und das ist biologisch abbaubar und kann in die Biotonne (die Sache mit dem Windelflies ins Klo ist eine eigene Problematik und definitiv noch verbesserungswürdig). Und wenn sie dann wirklich einmal kaputt sind, dann bleibt da Stoff und ein kleines bisschen PUL… definitiv eine bessere Müllbilanz als bei www.

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Die Sache mit den Zähnen…

… ich hab in letzter Zeit gefühlt tausend Mal unter verschiedenen Blogs, in Foren und auch im „real life“ diskutiert und irgendwie lässt mich das Thema nicht mehr los. Es macht mir Angst. Es macht mich sprachlos. Und ja, ich weiß, ich mach mich bei den ganz konservativen APlern (Attachment Parenting, Anm.) sehr unbeliebt, aber das mach ich mich mit diesem Blog sowieso. Irgendwie kristallisiert sich das auch langsam als Sinn dieses Blogs heraus, but first things first, Thema Körpergrenzen.

Klassische Situation. Ein Babyforum, eine einschlägige fb-Seite und die Frage: wie schafft Ihr das mit Euren Kindern und dem Zähneputzen. Und spätestens im dritten Beitrag erwähnt jemand, dass sie das nein ihres Kindes akzeptieren und lieber auf die Zahnpflege verzichten als die (Körper-)Grenzen des Kindes zu übergehen.

Das erste Mal war ich „nur“ baff. Mittlerweile macht es mich wütend. Nein, nicht, dass manche Eltern sich dazu entscheiden, ihren Kindern nicht regelmäßig die Zähne zu putzen. Das geht mich nix an, und ich gehe einfach davon aus, dass sie genügend reflektiert haben und diese Entscheidung für sich nach bestem Wissen und Gewissen getroffen haben. Ich verstehe es nicht, so wie ich auch nicht verstehe, warum man nicht impft, aber ich muss auch nicht alles verstehen. Es ist nicht meine Aufgabe und ich bin auch nicht unfehlbar und gehe daher auch nicht davon aus, dass mein Erziehungsweg der einzig richtige ist. Von dem her, leben und leben lassen.

Nein, wütend macht mich etwas anderes: dass mir ebendiese Eltern vorwerfen, meine Kinder zu misshandeln. Nein. Verdammt nochmal, nein. Bei allem Respekt und allem Verständnis für unterschiedliche Erziehungsstile und Prioritäten, aber geht’s Euch noch gut? Ich misshandle meine Kinder nicht, ich tue meine Pflicht! Meine Kinder haben nämlich ein Recht auf körperliche Unversehrtheit und dazu gehören meiner Meinung nach auch gesunde Zähne. Jetzt ist Zähneputzen etwas, was niemand so richtig gerne macht, glaub ich. Oder fast niemand, Ausnahmen bestätigen immer die Regel. Wir machen es, weil wir gelernt haben, dass das einfach dazugehört. Man macht es ohne zu denken, ganz automatisch. Das heißt, wir machen das, wenn wir es als Kinder so gelernt haben. Und da liegt glaub ich auch der Hund begraben: natürlich kriegt ein Kind bei normaler Ernährung nicht von einem Mal nicht putzen Karies. Vermutlich auch nicht, wenn öfters nicht geputzt wird, aber dann geht eben genau diese Selbstverständlichkeit verloren. Dann wird eben nicht geputzt, wenn man keine Lust hat. Und das wird dann ein Problem. Gesunde Zähne kann man nicht ersetzen, man kann das nicht wieder reparieren. Und vor allem gibt sich das weiter. Wenn wir also heute unseren Kindern nicht Zähne putzen, weil sie grad nicht wollen, schaden wir nicht nur potentiell unseren Kindern selbst, sondern auch unseren etwaigen Enkeln. Denn auch die werden manchmal nicht putzen wollen. Und da es unsere Kinder nicht gelernt haben, dass Zähneputzen dazugehört, werden sie auch unsere Enkel nicht zu einer ordentlichen Zahnpflege erziehen usw. Das gebe ich zu Bedenken, wenn jemand meint, die Grenzen des Kindes sind wichtiger als Mundhygiene.

So, und nachdem ich mir jetzt das Thema, das mich so aufwühlt, von der Seele geschrieben habe, möcht ich da gerne noch „dahinterschauen“. Was hat es mit den Körpergrenzen der Kinder und ihrer (nicht) Beachtung auf sich? Ich hab versucht, Euch hier meine Sicht der Dinge zu veranschaulichen.

Der Sinn dahinter ist, dem Kind zu vermitteln, dass niemand etwas mit seinem Körper machen darf, was Kind nicht möchte. Sehr gut, sehr sehr wichtig. Das soll unsere Kinder vor körperlichen Übergriffen schützen und ihr Selbstvertrauen stärken. So weit, so gut. Bis dahin geh ich vollkommen d’accord. Nur ist es meiner Meinung nach ein ganz gewaltiger Unterschied, ob es um die Eltern oder sonstige nahe Verwandte geht oder um alle anderen. Es ist nuneinmal so, dass kleine Kinder noch nicht die volle Reichweite ihrer Entscheidungen absehen können. Das heißt, sie wissen nicht, dass sie schmerzhafte Löcher in den Zähnen bekommen, wenn sie nicht putzen. Sie wissen nicht, dass sie einen wunden Hintern bekommen, wenn sie sich nicht wickeln lassen. Und genau dafür sind wir -ihre Eltern- da. Selbstverständlich tue ich alles, um die Kinder davon zu überzeugen, dass das alles eigentlich ganz witzig ist. Zahnputzgedichte, Lieder, gut zureden… und oft klappt es auch. Aber halt nicht immer. Und ja, dann setze ich mich über das ’nein‘ meiner Söhne hinweg. Ich rede und erkläre viel, auch hinterher. Das finde ich wichtig, dass meine Kinder wissen, warum ich was tue oder auch, warum ich ihnen manche Dinge nicht erlaube.

Etwas ganz anderes wäre es, die Kinder zum Kuscheln zu zwingen. Das ist in der Tat übergriffig und da muss das Kind ganz klar sagen dürfen, nein, das mag ich nicht und das haben auch alle zu akzeptieren. Aber was noch ganz ganz wichtig ist: achtet Eure eigenen Grenzen. Auch Euren Kinder gegenüber. Denn der nachhaltigste Erziehungsstil ist immer noch das gute Vorbild!

Osterurlaub- irgendwas ist immer

Meine Lieben, ich hab versprochen, den Blog wieder etwas mehr zu beleben und das versuch ich jetzt auch zu halten und erzähl Euch gleich einmal von unserem Osten-Kurzurlaub in Italien:

Geplant war ja eine Mischung aus Wander- und Anschauurlaub, damit alle auf ihre Kosten kommen und die Kinder entsprechend ausgepowert sind… jo eh. Wir waren noch nicht einmal gescheit im Quartier, da ist Brüderchen Feuer sichtlich verfallen und hat von jetzt auf gleich richtig hoch gefiebert- herrlich! Wir hatten aber das große Glück, nicht in einem Hotel, sondern in einem Apartment zu wohnen, in dem wir selber kochen konnten (war das italienische Äquivalent zu ‚Urlaub auf dem Bauernhof‘ und echt echt nett) und somit Brüderchen Feuer bei uns in der Küche sein konnte, wir aber trotzdem am Abend was zu essen hatten, was auch Brüderchen Wind sehr geschätzt hat! 😉

Wir sind dann -bedingt durch ein etwas angeschlagenes (dafür aber seehehr angenehm entspanntes) Brüderchen Feuer- doch mehr mit dem Auto unterwegs gewesen als zu Fuß, aber alles in allem war das schon ok so.

Highlights waren auf jeden Fall die Ziegen beim Quartier (Brüderchen Wind konnte sich gar nicht trennen), das Schmetterlingshaus, dem wir bei der Hinfahrt einen Besuch abgestattet haben und das Picknick am Isonzo-Delta und der sprichwörtliche Vogel, den Brüderchen Wind in Aquileia abgeschossen hat, nachdem ich ihn im Onbu auf den Glockenturm rauf- und wieder runtergetragen hab (der Papa hatte die genauso schwere Fototasche mit) und er unten voll Erleichterung ausruft „Hammas geschafft!!“.

Fotos werd ich bei Gelegenheit einmal herzeigen, dazu brauch ich nur ersteinmal mehr Zeit!

Lang lang ist’s her…

Meine Lieben, ich trau mich ja fast schon nichts mehr schreiben, nachdem ich mich soooooo lange nicht gemeldet hab, aber in den letzten eineinhalb Jahren ist einfach so viel passiert, dass ich weder Zeit noch Nerven zum bloggen hatte, aber jetzt hab ich mir fix vorgenommen, wieder öfter, vielleicht sogar regelmäßig zu bloggen (*hust* das nehm ich mir bei meinen Fanfics auch immer vor *hust*).

Also, was ist in der elendslangen Zeit passiert?

Viel.

-Wir sind jetzt endgültig zurück in meine alte Heimat gezogen und sind jetzt ein richtiger echter Mehr-Generationen-Haushalt.

-Ich hab mittlerweile den ersten Teil meiner Trageberaterinnen-Ausbildung gemacht.

-Wir mussten uns leider im Herbst von unseren Lamas verabschieden. Wir sind immer noch sehr traurig drüber und wollen irgendwann einmal wieder Neuweltkameliden haben (diesmal aber eher Alpakas), aber momentan sind wir mit Ausbauen voll und ganz ausgelastet.

-Mitterweile gehen beide Kinder hier in den örtlichen Kindergarten und inzwischen schaffen wir es meistens sogar, zu frühstücken, zu Fuß in den Kindergarten zu gehen und trotzdem noch rechtzeitig in den Kindergarten zu kommen. *stolz bin*

-Und wir haben auch endlich einen Kostenvoranschlag für den Umbau- jetzt holen wir noch ein Gegenangebot ein und dann können wir hoffentlich endlich auf die Bank und dann zum bauen anfangen!

-Ich schreibe mittlerweile meine zweite Geschichte auf Fanfiktion.de. Funktioniert gar nicht so schlecht! 😉

Tja, mehr fällt mir grade nicht ein, obwohl’s mir vorher so viel vorgekommen ist. Vielleicht fällt mir noch was ein, dann date ich das später up. (Öhm, das heißt nicht wirklich so, oder?)

Alles Liebe und noch eine schöne Restwoche!

#Refugees welcome

So, meine Lieben, eigentlich wollte ich darüber hier nichts schreiben, weil ich es irgendwo müßig finde. Die Lager sind festgefahren. Und ein Beitrag in einem unbedeutenden Blog mehr oder weniger ändert daran auch nichts. Jetzt aber -nachdem auf einer Plattform, die ich immer für sehr aufgeschlossen, informiert und liberal gehalten habe, ein Artikel erschienen ist, den ich für wahnsinnig gefährlich halte- muss ich einfach meine Meinung dazu sagen.

Es war ein ehrliches Schreiben, in dem die Autorin über ihre Angst vor dem Terror, den die aus Syrien, Afghanistan und dem Irak flüchtenden Menschen mit sich bringen könnten, schreibt. Über die Angst, dass Werte, die unsere Gesellschaft gemeinhin dem Islam zuschreibt, „unsere“ Werte überlagern. Sie schreibt von einer befreundeten Psychologin, die mit den Flüchtlingen angeblich nicht arbeiten kann, weil sie sie als Frau nicht akzeptieren. Sie spricht von Terroristen, die unter uns lauern und gezielt jene Menschen gegen uns, gegen das sichere Europa, aufhetzen, deren Nerven und Geduld ob der langen Flucht und der emotionalen, psychischen und physischen Strapazen am Ende sind. Sie schreibt, sie habe Angst.

Ja, ich verstehe die Angst. Terror ist erschreckend. Angsteinflößend. Terror ist -neben den Folgen der Umweltschäden, die wir anrichten- die größte Bedrohung, der wir ins Auge sehen müssen. Terror ist unberechenbar. Terror hat keinen Sinn, kein Ziel. Terror heißt Angst, Schrecken, Chaos. Niemandem trauen können. In einer Umgebung zu leben, wo der Terror regiert, ist wahrscheinlich unser allerschlimmster Albtraum. Es stiftet Misstrauen. Man fragt sich, wie man sich am besten schützen kann. Sich und seine Lieben. Man schließt sich den Irren vielleicht selber an, weil man sich der Illusion hingibt, dadurch in Sicherheit zu sein. Hand auf’s Herz, würdet Ihr töten, um Eure Kinder zu schützen, Eure Eltern, Eure Partner? Euch selbst? Ich weiß es nicht, und ich gehöre zu jenen privilegierten Menschen, die diese Entscheidung nicht treffen müssen. Der Gedanke, es doch einmal tun zu müssen, weil auch bei uns eine Terrororganisation die Oberhand gewinnt, ist furchteinflößend. Und das fiese ist, sie ist gar nicht unrealistisch. Und -und da geb ich der Autorin des von mir oben genannten Beitrags ganz recht- es liegt an uns, jetzt richtig zu handeln, um genau das zu verhindern. Aber ganz bestimmt nicht, indem wir die Flüchtenden genauer kontrollieren, sie noch länger an den Grenzen warten zu lassen, in Kälte und Angst, erschöpft von einem unvorstellbar anstrengenden Marsch. Dort sind Kinder, Schwangere, Alte und Kranke. Und letztlich kann jedeR von ihnen einE TerroristIn sein. Wir können es nicht wirklich kontrollieren. Machen mich gewisse Sympathien zu Grünen und KPÖ zur Linksaktivistin? In den Augen irgendeines Geheimdienstes bestimmt. Ist jeder Mensch, der einmal einen Facebookeintrag von HC Strache geteilt hat ein Nazi? Nein, bestimmt nicht. Ein fester Depp, ja, aber nicht zwangsläufig ein Nazi. Aber genau das sind die Sachen, die wir überprüfen können. Was glaubt Ihr, wie viele Unschuldige so verdächtigt werden? Und glaubt Ihr im Gegenzug, dass man so einen „echten“ Terroristen findet? Höchstens nach dem Zufallsprinzip. Wir können also nicht verhindern, dass Menschen mit terroristischen Ambitionen unter uns weilen. Die kommen sowieso, auch ganz ohne Bürgerkriege und Flüchtlinge. Aber es stimmt, die momentane Situation birgt Gefahren. Weil wir da Menschen auf einem Haufen zusammenpferchen, die durch die Hölle gegangen sind, die jeden Tag wieder aufstehen, ohne zu wissen, was auf sie zukommt. Die keinen Tag planen können. Die Verluste erlitten haben. Die Angst um ihre Lieben haben. Es braucht nicht mal besonders viel Einfühlungsvermögen, um zu erraten, dass Emotionen da hochkochen. Klar, dass diese Menschen anfällig sind für Radikalisierungen. Wir haben eine einzige Möglichkeit, um diese Radikalisierung zu verhindern. Wir müssen diesen Menschen ein menschenwürdiges Leben hier bieten. Egal, ob sie jetzt vor dem Krieg fliehen oder vor Hunger oder vor was auch immer, wir werden es doch wohl schaffen, diesen Menschen ein Dach über dem Kopf, warme Malzeiten, psychologische Betreuung und Beschäftigung zu geben? Wie viele Häuser und Wohnungen stehen leer? Wie viele Lebensmittel in allerbestem Zustand werden weggeworfen? Wie viele von uns haben mehr Laptops und Handys als sie verwenden? Sollten genug Ressourcen sein, um 300000 Menschen zu versorgen, oder? Ohne sie in ein Lager zu pferchen. Ein Lager. Das erinnert mich an etwas. Nein, ich vergleiche Traiskirchen nicht mit Auschwitz. Nichts kann oder darf man mit Auschwitzt vergleichen. Aber es erinnert mich daran, und allein das ist schon zu viel. Niemals wieder darf die Menschheit in diese Richtung auch nur denken.

Ach, „wir“ sollten zuerst kommen? Was macht „uns“ denn besser? Ja, ich weiß, es gibt hier in Österreich auch Menschen, denen es so richtig -sorry- beschissen geht. Ich kenn diese Seite. Mein Leben ist okay, aber ich kenne schlimme Zeiten. Verhältnismäßig schlimme. Aber das ist nichts gegen das, was die Menschen in Syrien durchmachen. Also: mein Leben ist okay. Diese Menschen nehmen mir nichts weg. Die Hypo nimmt mir Geld weg, ja. Oder dem Staat, das er ansonsten für soziale Zwecke ausgeben könnte.

Da kommen auch Idioten mit? Ganz bestimmt. Wir reden von VIER MILLIONEN Flüchtlingen. Da muss mindestens eine Million Deppen dabei sein. Aber die gibt es überall. Das sind die Menschen. Entgegenwirken kann man solchen Leuten nur mit Menschlichkeit und Bildung. Nicht mit Zäunen.

Und wir haben Angst, von muslimischen Machos überrannt zu werden? No mei. Wo ist der Unterschied zwischen muslimischen Machos und christlichen Machos? Junge syrische Männer wollen nicht mit einer Psychologin reden. Und österreichische Automechaniker reden nur dann sinnvoll mit mir, wenn mein Mann dabei ist. Oder nein, dann reden sie mit meinem Mann. Wo ist der Unterschied? Sie gehen mir beide am Senkel, und ich kann nur versuchen, meine Söhne zu besseren Männern zu erziehen. Und jene Menschen mit offenen Armen empfangen, die nicht das Glück hatten, in einem sicheren, reichen Land geboren worden zu sein.

Ein bisschen mehr Italien…

Zuallererst, meine lieben Leser, schicke ich Euch ganz herzliche Urlaubsgrüße aus dem schönen Cesenatico. Ein bisschen was vom Urlaub im Paradies hat es ja schon: wir sind fünf Erwachsene auf zwei Kinder, das heißt, jeder kann von Zeit zu Zeit durchschnaufen. Und dann ist da das Meer, das so schön klar ist, und alles ist irgendwie friedlich. Da schaut niemand böse, da hetzt niemand… oder wir sehen es nicht, denn dass sich natürlich auch in Italien jenseits der Hotels das Rad des Alltags dreht, ist mir schon klar. Trotzdem. Ich fühl mich wohl, und ich bin ehrlich traurig, dass der Urlaub morgen schon wieder zu ende ist. Und ich mag versuchen, mir ein bisschen was davon mitzunehmen. Von den Babyparks, davon, dass hier, zumindest für uns Urlauber, die Relationen noch stimmen. Grade eben ist uns Söhnchen Feuer abgezischt. Er wollte nur Hände waschen gehen (hat er gesagt…) und dann ist ihm eingefallen, dass er vielleicht doch ins Hotel zur Oma will. Blöd nur, dass er sich in der Straße geirrt hat. Jetzt ist mein Mann und seine Familie aber seit mittlerweile 30 Jahren in dem Hotel, immer wieder grob zur selben Zeit, und da kennt man ihn und seine „Brut“ schon, also wurde das abtrünnige Söhnchen schnell gefunden und eingefangen. Und ehrlich? Niemanden juckt’s. Sie lachen und schütteln den Kopf über diesen kleinen Sturschädel, aber niemand macht ein großes Tamtam. Und niemand droht meinem Mann mit dem Jugendamt, weil er die Aufsichtspflicht verletzt hat. Nicht einmal mich schockt das jetzt sonderlich, obwohl es das bestimmt sollte, immerhin ist Söhnchen Feuer allein über die Straße, und er hätte sich ja wirklich verirren können. Ja eh. Hätte. Hat er nicht. Alles ok (bis auf seinen Zorn, weil allein wohin darf er nach der Aktion erst einmal nicht mehr). Genauso ist es hier am Abend. Wir selber waren gestern bis halb zwölf unterwegs, mit einem quietschvergnügten Söhnchen Feuer und einem im Buggy schlummernden Söhnchen Wind. Auf dem Heimweg sind wir an einer Bank vorbei, da hat eine Mama ihr Baby gestillt, das war vielleicht 5 Tage alt. Mehr wohl kaum. Das große hat sich derweil mit seinem Papa im Babypark vergnügt. Mama angeregt tratschend mit zwei Freundinnen, ebenfalls mit schlafenden Kleinkindern im Wagerl. Urlaub. Entspannung. Leben mit dem Wetter, der Jahreszeit und den Tagen. Es ist heiß, alle schlafen zu Mittag. Kunststück, dass die Zwergis dann am kühleren Abend lebendig werden. Wie absurd wäre es da, sie um acht ins Bett zu stecken? Und dann denk ich dran, dass ich mich schon rechtfertigen musste, dass meine um neun noch herumgerannt sind (im heimischen Garten), wie es bei uns die 38° gehabt hat. Aber Kinder müssen und Kinder sollen und Kinder gehören und was ist mit dem Rhythmus und so gewöhnen sie sich nie und der sowieso ist schon und der sowieso ihre zwei sind auch schon längst und BLA BLA BLA. Warum vertraut eigentlich niemand mehr drauf, dass die Eltern schon wissen, was sie tun? Stichwort Babypark übrigens… hab ich je erwähnt, dass ich die Dinger sehr genial finde? Ja, es düdelt und ist Plastik und sicher pädagogisch nicht wertvoll, aber hey, die Kleinen haben da so einen Spaß! Ist ja nur für die Woche Urlaub im Jahr. Und es ist alles so schön unkompliziert. Kind kann was noch nicht allein? Setz ma halt den Papa hinten drauf. Bissi gefährlich? Sicherlich. Sehr gefährlich? Nein. Altersbegrenzungen? Nennen wir’s lieber Richtlinien. Oder nennen wir’s: wen interessiert’s?. Eigenverantwortung eben. Eine schöne Erfahrung, auch für mich.

Was bleibt? Die Entspannung fürchte ich nicht lange. Die Erkenntnis, dass bei uns so vieles SO schief rennt auf jeden Fall. Schöne Fotos. Krabbe auf Brüderchen Winds Rücken, während Brüderchen Feuer ihr eine schöne Reise zurück ins Meer wünscht. (Memo an mich selbst: neue Urlaubslieblingsbeschäftigung: Krabben fangen. Und Einsiedlerkrebse. Und sie natürlich gleich wieder in die Freiheit entlassen). Schlafende Kinder am Strand.

Leider keine Hippo-Fotos mehr. Hippo ist weg. Wir sind traurig. Hippo war eine Plastikfigur, ursprünglich wohl von einem Karussell oder sowas. Hippo war über 30 Jahre alt. Es gibt ein Foto, da sitzt ein kleiner blonder Bub, ein Jahr alt vielleicht, grinsend auf Hippo. Und es gibt ein Foto von letztem Jahr, da sitzt sein kleiner Sohn 33 Jahre später auf ebendiesem (sehr ausgebleichten) Hippo. Der Lauf der Zeit…

Projekt „Eltern-haben-Rechte“ 1.1 – Wer „darf“?

Meine lieben LeserInnen, das ist ein Projekt, das mir schon sehr lange sehr am Herzen liegt, aber das alles in einen einzigen Blogpost zu zwängen ist genauso aussichts- wie sinnlos. Dadrüber hab ich einfach zu viel zu sagen, und es ist ein zu „heißes“ Thema. Sollte es irgendwelche gleichnamige Projekte/Seiten/Organisationen etc geben, die meiner (zugegeben oberflächlichen Recherche) entgangen sind, so erkläre ich hiermit, dass das rein zufällig passiert ist und ich hier alleine meine Gedanken und Meinungen kund tue, und keine Kenntnis über selbige Projekte habe. Blablabla. Also: meine Gedanken, gibt’s was gleiches, tut’s mir leid, wusste ich nicht, hab nicht vor, was zu klauen. (ICH HASSEHASSEHASSE DISCLAIMER!!! Ich hasse sie auch auf fanfiction.de, aber das ist ein anderes Thema)

Also. Teil 1 von 1. Wer „darf“.

Ich lese diesen Satz in seinen verschiedensten Ausführungen immer und immer wieder, und immer wieder mache ich beim Lesen Atemübungen, um zugehöriger Person nicht durch’s Netz den Kopf abzureißen. Es macht mich so wütend, und ist gleichzeitig so bedenklich, und… aber first things first. Der Satz! Der Satz lautet „dann hätte sie eben keine Kinder kriegen dürfen“ oder „wozu hat man dann Kinder“ (Lieblingsform davon: „wozu schafft man sich dann Kinder an?“) oder „manche Leute sollten echt keine Kinder kriegen dürfen“ oder oder oder. Liest man praktisch in jeder Diskussion irgendwann einmal, in der es um Kinder geht. Kinderbetreuung (wenn man das Kind so früh und /oder so lange abschiebt (!), wozu hat man dann überhaupt eines?), Mütter im Beruf/Väterkarenz (das arme Kind, das ist doch mit der Mutter eine untrennbare Einheit, und wenn man nicht auf seine Selbstverwirklichung verzichten kann, dann hätte man sich das vorher überlegen sollen), Geburtstraumata (die Gesundheit des Babys ist das Wichtigste, und wer das nicht so sieht, der sollte keine Kinder bekommen dürfen, denn dann kann das arme Kind doch nur leiden- okeeeeee, das ist jetzt vielleicht überspitzt gesagt, aber im Grunde ist genau das doch die Aussagen), Eltern mit Behinderungen, Kinder mit Behinderungen, Vorfälle, in denen Kinder in irgendeiner Weise zu Schaden gekommen sind, Kinder auf Abwegen, all das (und viele viele mehr) sind Themen, bei denen die Trefferquote für solche Sätze fast bei 100% liegt. Und jedes Mal, wenn ich sowas lese, frage ich mich, ob diese Leute nur ein einziges Mal überlegen, was sie da eigentlich gerade geschrieben oder gesagt haben. Kinder sind doch bitte kein Hobby und auch keine Zimmerpflanze. Kinder sind auch nicht Teil eines gewissen lifestyles oder eine Art, um sich selber zu verwirklichen, Kinder sind Menschen. Lebewesen, die -ganz unabhängig davon, wer sie in die Welt gesetzt hat- ein Recht auf ihr Leben haben! Kinder sind die einzige Hoffnung, die die Menschheit hat. Das ist etwas so großes, so elementar wichtiges, so dem Leben immanentes, dass man da doch nicht sagen kann: „Du darfst Kinder bekommen und Du nicht!“. Jedes dieser potentiellen Lebewesen ist einzigartig und auf seine Art wundervoll und wert, dass man es liebt und ihm die Chance gibt, sein Leben auf die bestmögliche Art und Weise zu Leben. (to live long and prosper, um unseren geschätzten Spock zu zitieren).

Selbstverständlich weiß ich auch, was hinter diesen Aussagen steckt: die Angst, dass es den Kindern eben nicht gut geht oder sie gegenüber ihren Altersgenossen gravierende Nachteile haben. Die Angst ist selbstverständlich durchaus berechtigt, aber dann muss man das anders angehen als jemandem das Recht absprechen, ein neues Leben entstehen zu lassen.

Und dann ist da natürlich auch noch der Fakt, dass man schon unterscheiden muss, zwischen grober körperlicher, seelischer oder emotionaler Vernachlässigung oder Misshandlung und einem Erziehungsstil, der einem selber nicht zusagt und grad das wird, wie es mir scheint, grade in Elternforen und auf einschlägigen Facebook-Seiten nicht gemacht. Ich weiß, dass sich einem bei manchen Aussagen alle Haare aufstellen und man sich denkt: „Ja, wenn Du das nicht/weiter machen willst, dann hättest Du eben keine Kinder bekommen sollen!“ Aber die Sache ist nuneinmal die, dass diese Dinge, die uns die haare zu Berge stehen lassen, bei jedem etwas anderes ist. Bei den einen ist es die 2er Milch, die das vier Monate alte Baby bekommt, bei den anderen ist es die Türschaukel, der Babybjörn, ein bestimmter Kindersitz, die tägliche Krippenbetreuung bis in die Abendstunden oder die regelmäßigen Wochenenden bei den Großeltern oder sonst was anderes. Jeder Mensch hat andere Vorstellungen und andere Schmerzgrenzen, für jeden ist irgendetwas anderes elementar wichtig oder aber völlig unwichtig oder nicht so schlimm. So reflektiert sollte man schon sein, wenn man (halb-)öffentlich seine Meinung kundtut, denn das lesen echte Menschen, die solche Aussagen echt treffen können und dann einen echten Einfluss auf ihr Leben haben kann.

Ganz abgesehen davon, dass wir schonmal dort waren, dass den Leuten vorgeschrieben worden ist, wer nun Kinder bekommen darf und wer nicht und in diese Zeit will zumindest ich nicht zurück!

Brief an mein früheres Ich

Auch ich möchte mich jetzt der Blogparade (danke an Jana vom Hebammenblog an dieser Stelle für diese wunderbare Idee) anschließen und endlich meinen Brief schreiben. Einen Brief, der eigentlich seit mindestens einem, eher zwei Jahren überfällig ist. Also.

Liebe Stella!

So, jetzt ist es also so weit. Es sind die frühen Morgenstunden des 30. November 2011. Draußen weht der Föhn, aber das weißt du nicht. Du brauchst es nicht zu wissen. Das Wetter draußen ist für deinen neu erschaffenen Mikrokosmos nicht wichtig. Es ist sehr warm in dem Zimmer, und es ist dunkel. Du hast einen Infusionsschlauch in der Hand, schon bald wird auch dieser Zugang unbrauchbar sein. Lass sie keinen neuen legen. Du wirst ihn nicht brauchen. Die körperlichen Schmerzen hältst Du auch so aus, und gegen Deine seelischen, die erst langsam im Laufe der nächsten Tage und Wochen aus dem Nebel der Schreckensstarre auftauchen werden, gegen die gibt es keine Schmerzmittel. Es tut mir wahnsinnig leid, was Dir widerfahren musste. Ich kämpfe gegen diese Schicksale, weißt Du? Ich versuche, mit Schwangeren zu reden. Sie zu informieren. Ich versuche sie vor eben dieser Falle zu bewahren, in die Du getappt bist.

Auf Deiner Brust liegt also jetzt Dein winziges Söhnchen. Du kannst ihn nicht sehen, aber Du fühlst ihn. Er schläft. Du streichst ihm über seine langen schwarzen Haare und fühlst die Delle, die die Hand der Ärztin hinterlassen hat. Noch bist Du glücklich und Dir Deiner Sache sicher. Wie Dein Sohn zur Welt kam, darüber machst Du Dir momentan noch keine Sorgen. Noch bist Du zu benebelt von der Vollnarkose um zu realisieren, was da mit Dir, mit Euch, passiert ist. Du bist wach, und freust Dich, dass die Anästhesistin die Narkose so gut gemacht hat. Du fühlst keine Nebenwirkungen, die momentane Unfähigkeit, größere Zusammenhänge zu erkennen, stört dich nicht, es geht Dir nichts ab. Du freust Dich über den Blasenkatheder, denn nachts aufstehen und auf’s Klo gehen konntest Du noch nie ausstehen. Und Du hast endlich Dein Baby im Arm. Du realsierst das noch nicht. Dein Körper hat auf Autopilot geschalten. Lehn Dich zurück und genieße es. Es wird der schönste Moment Deines Mamaseins sein. Zumindest für das nächste Jahr! Denn Dein Autopilot weiß gut, was er tut. Dein Kleiner ist vorher grade wach geworden und hat geweint, Du hast ihm die Brust gegeben. Das hast Du schon im Kreissaal versucht, aber da wollte er noch nicht. Auch er hat an der Narkose zu knabbern. Und er ist unreif geboren. Du weißt, dass sich die Frauenärztin verrechnet hat und er eigentlich noch ein Frühchen ist. Und in den nächsten drei Wochen wird Dir auch klar, dass dieses Dein Baby die vollen 40 Wochen der Schwangerschaft gebraucht hätte. Vielleicht auch mehr. Die Ärzte und Schwestern im Krankenhaus juckt das nicht. Recherisch ist er reif geboren. Er hat 3190 Gramm. Ein schönes Gewicht für die 38. Schwangerschaftswoche. Die Absurditäten des österreichischen Spitalswesens wirst du in der nächsten halben Stunde noch zur Genüge zu spüren bekommen. Nämlich dann, wenn Dein Söhnchen wieder zu weinen beginnen wird, Du ihn wieder anlegen wirst, und er die Brust von sich wegstoßen wird. Du wirst alles wunderbar machen. Wirst nach der Schwester klingeln und ihr sagen, Du weißt nicht, was ihm fehlt. Dass er nicht trinken mag. Lass die Schwester nicht das machen, was sie machen wird. Lass sie ihm nicht die Milchflasche in den Mund stopfen, und dann sagen, dass er doch knapp vorm Verhungern war. Und lass Dir auch nicht sagen, dass Du ihn neben Dich legen musst, weil er so heiß ist. Ja, du hast Fieber. Eine Nebenwirkung der Narkose. Oder ein Resultat deiner bodenlosen Erschöpfung, zwei Tage ohne Schlaf, 21 Stunden Wehen, am Ende doch der Kaiserschnitt. Und ja, auch Dein Sohn überhitzt durch den engen Kontakt zu Dir. Kunststück, in dem Raum hat es mindestens 30°C. Und er hat einen langen Body und drüber einen Niki-Strampler an. Zieh ihn aus, und leg ihn wieder auf Deine Brust. Und biete ihm die Brust einfach immer wieder an. Nein, Du wirst tatsächlich nicht stillen können, aber dazu später. Trotzdem: in dieser Anfangsphase gibt Dein Körper Deinem Kind noch alles, was es braucht. Diese erste Nacht wäre so wahnsinnig wichtig für Euch. Lass sie Euch bitte nicht nehmen.

Mit dem Morgen wird die Einsicht kommen. Wie gerne würde ich Dich da jetzt wegholen, Dir zeigen, was die Zukunft bringt. Denn Du wirst morgen Früh die schlimmste Erfahrung machen, die Du als Mutter machen kannst (Anm.: DU als Mutter. Nicht eine Mutter allgemein). Du wirst fühlen, wie glücklich Du jetzt eigentlich wärst, mit Deinem Baby auf dem Arm, der Erfüllung all Deiner Träume. Und doch wird das Glück nicht bei Dir ankommen. Du wirst Dich fühlen wie im falschen Film. Du wirst Dich von Deinem Sohn seperiert fühlen, wie durch eine Plexiglas-Wand getrennt. Dumpf könnt Ihr Euch fühlen, aber keine Wärme, keine Liebe. Das einzig Reale in diesem Moment wird diese Narbe sein. Die Narbe an Deiner Gebärmutter, durch die Du Dich so lange nicht mehr als Frau fühlen wirst. Vergewaltigt fühlst Du Dich. Entmündigt. Du hast Angst um Dein Leben. Es ist Dir hier, in einem der sichersten Länder der Welt, in einem Landeskrankenhaus passiert. Dann kann es Dir überall passieren. Dein Leben war hier nichts wert, DU warst hier nichts wert. Warum solltest Du es also irgenwo anders sein? Bitte denk nicht so. Du bist in die Maschinerie Krankenhaus geraten, Du hast Dich bewusst genau für diese Klinik entschieden, und glaub mir, mit Deinem damaligen Wissen würde ich auch heute noch so entscheiden. Du hast nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Du hast Dich informiert, Du wusstest, was im Krankenhaus passieren konnte. Nur bist Du nie auf die Idee gekommen, dass jemand über Deinen Kopf hinweg über Deinen Körper verfügen könnte. DU, meine Liebe, konntest nichts dafür. DU hast alles richtig gemacht. Und ich sage Dir jetzt, an dieser Stelle: es wird alles gut! Du wirst mit Deiner Narbe leben lernen, wieder mit Deiner Gebärmutter leben lernen. Du wirst damit sogar gebären lernen. Im Sommer wirst Du Deinen zukünftigen Mann kennenlernen. Er wird ein ganz wundervoller Papa für Söhnchen Feuer werden. Und für Söhnchen Wind sowieso. Söhnchen Wind, Euer wundervoller zweiter Sohn, wird im April 2014 zur Welt kommen. Zuhause. Nach einer langen, harten Geburt. Zwei Hebammen werden ihn auf der Welt begrüßen, und Dein Mann. Alles wird gut sein.

Was ich Dir mitgeben will, für die nächsten zwei Jahre: nimm Dir nicht alles so zu Herzen. Ich weiß, Du wirst furchtbar darunter leiden, dass Du keinen Draht zu Deinem Sohn bekommst. Dass Du ihn so oft wie möglich Deiner Tante, Deiner Oma und Deiner Mama anvertrauen wirst. Du kannst es nicht anders machen. Es musst erst DU heilen. Ich würde Dir gerne etwas anderes sagen. Ich würde Dir so wahnsinnig gerne sagen, wie es weitegeht und Dir damit die Möglichkeit geben, von Anfang an eine richtige Bindung zu Söhnchen Feuer aufzubauen. Er wird kein einfaches Kind werden, aber ich glaube, Du hättest viel abfangen können. Auch für Dich! Du wirst erst bei Söhnchen Wind kennenlernen, wie viel mehr Lästigsein man gut erträgt, wenn man eine richtige echte Bindung zu seinem Kind hat.

All das kann ich Dir aber leider nicht sagen. Nur, dass Du es schaffen wirst. Die dunkelsten Stunden werden vorbei gehen. Du wirst wieder leben wollen. Es wird alles wieder gut! Vertrau auf Dein Gefühl. Lass Dich von der Hysterie Deiner Mitmamas nicht anstecken. Du bist so wunderbar abgeklärt. Bist Du wirklich. Du setzt die richtigen Prioritäten. Du bist sehr viel strenger als es Deine Mama war (und bei Söhnchen Feuer auch ist, nur so nebenbei), aber das ist ok. Deine beiden sind auch sehr viel einfallsreicher was Blödsinn machen angeht als Du es warst. Du machst nur zwei Fehler, und an denen musst Du wirklich wirklich arbeiten: 1) Du zweifelst viel zu sehr und viel zu schnell. Du machst es schon gut, lass Dir nichts anderes einreden. Und wenn 1000 Mamas und andere Experten meinen, sein Kleinkind mitten im Trotzanfall stehen zu lassen ist Gewalt, DU siehst das nicht so, und aus meiner Sicht hast Du recht. Aber es geistert Dir im Kopf herum, dass Du Deinem Kind vielleicht wer-weiß-was antust damit. Alles was Du als Mama machst, wird irgendjemand als ganz furchtbar für das Kind empfinden. Lass es. Verabschiede Dich von dem Gedanken, es irgendjemnd außer Dir selber recht machen zu wollen. Glaube Deinem Gefühl. Und nicht dem, was andere sagen, dass Dein Gefühl Dir sagen soll. 2) Du schmeißt viel zu schnell die Nerven. Ich weiß, das liegt auch daran, dass Dir Situationen leicht zu viel werden. Du bist das, was die Psychologie eine hochsensible Person nennt. Du musst diese Hochsensibilität nicht mögen, aber Du musst sie als ein Teil von Dir akzeptieren. Das ist Deine Schwäche. Trotzdem, überleg Dir eine Strategie, wie Du Deine Nerven behalten kannst. Schmeißt Du sie weg, wirst Du unberechenbar- für Deine Kinder und für Dich. Das werden die Situationen sein, unter denen Deine Kinder (und DU) wirklich leiden werden. Nochmal, das ist einfach Deine Schwäche, das ist in Ordnung. Nur mach Euch allen das Leben leichter und lern damit umgehen.

Alles Liebe, Dein zukünftiges Ich

Wer wir sind

Wir, das sind mein Mann und ich und unsre zwei Söhne, Söhnchen Feuer (2011) und Söhnchen Wind (2014). Wir leben in Niederösterreich nahe der steirischen Grenze als echte Großfamilie mit der Oma, der Katze und den Kaninchen zusammen (Kostenvoranschläge für den Ausbau werden grade verglichen).

Ich wollte schon recht lange einen Blog machen, denn mein bla bla zu allen möglichen Themen geht sich in einem Facebook- Post nie aus, und mitteilungsbedürftig wie ich bin, müsst Ihr, meine lieben Blog-Leser, jetzt herhalten. Meine erste Hürde war tatsächlich der Name, denn Mama-Blogs gibt’s sooooooooo viele, da ist ein origineller Namer gar nicht so einfach. Letztlich, als ich die Hoffnung auf einen gescheiten Namen schon fast aufgegeben hatte, bin ich wieder mal (Angelo Branduardi sei Dank) auf den Sonnengesang gestoßen (den ich, kirchen- und glaubenskritisch sein zum Trotz) sehr liebe und der mich sehr fasziniert. Und irgendwo war’s dann passend. Brüderchen (oder Söhnchen aus meiner Sicht) Feuer, mein Großer, ist tatsächlich wie das Feuer. Er kann sein wie das Lagerfeuer, oder wie ein gemütlich knisterndes Feuer im Kamin, tanzend und kuschelig und unschuldig. Und er kann ebenso zerstörerisch sein, wenn er einen seiner schlechten Phasen hat. Ihm fehlt jegliche Impulskontrolle, und das ist mit unter im Alltag nur sehr schwer handlebar. Immer auf der Hut sein. Vieles wird sich darum drehen hier, wie sich das Leben so lebt mit Söhnchen Feuer, Ihr werdet Euch viel von meinem Frust anhören müssen, über mich, über die Tatsache, dass man nie etwas richtig machen kann, über mein Verzweifeln an der ganzen Situation. Sein Bruder ist wirklich wie der Wind, so unbeschwert und leicht (meistens). Und von Zeit zu Zeit wird er zum Sturm, wütend und wui, kann dieses Zwergi zornig werden. Die blutigen Bissspuren an Brüderchen Feuers Schulter waren ein Resultat davon, dass er Brüderchen Wind ein Spielzeugauto verwehret hat! So, langes bla bla gleich zu Beginn, aber ich finde das Vorstellen total schwierig. Ja. Zwei Sachen noch: Brüderchen Feuer und Brüderchen Wind lieben sich auch wie Feuer und Wind. Sie haben viel Spaß miteinander, Eifersuch ist so gut wie nicht existent, aber sie sind nach gemeinsamen Spiel (und miteinander Raufen) auch genauso verheerend. Ich glaub also, die Namen sind tatsächlich nicht so schlecht. Und zweitens werde ich Euch auch viel über meine Sicht auf das Muttersein selber erzählen. Ich mag da jetzt gar nicht anfangen, meine Sicht der Dinge zu paraphrasieren, selbst das würde ausarten.

Selbstverständlich würde ich mich sehr über Kommentare zu meinen Beiträgen freuen, hier oder auf Facebook, wo bei Zeiten auch die dazugehörige Seite entstehen wird.