Kleidung und Accessoires für Buben- muss es so aggressiv sein?

Nächsten September ist ja so weit…. Brüderchen Feuer kommt in die Schule. Und weil Schulkinder Schultaschen haben müssen, haben wir uns auf die Suche nach einer begeben. Naiv wie ich war, hab ich mir gedacht, gehst halt mit dem Vorschulkindchen in ein Geschäft und probierst aus, welche Tasche für ihn angenehm ist, Design werden wir dann schon eines finden… ich kann mich noch gut an meine eigene Schultasche erinnern, blau war sie und auf der Klappe war ein ‚König der Löwen‘-Bild. Hätten Buben genauso nehmen können.

Jo eh. Punkt eins: es gibt sie nicht (mehr). Schultaschen, die nicht eindeutig für ein Geschlecht gemacht sind. Jetzt hätt ich ja absolut kein Problem damit, wenn sich mein Kind eine rosa Schultasche ausgesucht hätte. Oder eine rote. Oder eine mit Blumen, Brüderchen Feuer mag Blumen… aber nur zuhause. Im Kindergarten ist das peinlich. Da ist alles peinlich, auch die sauteure Hose. Weil da Tiere oben sind. Und weil sie selber genäht ist (nicht von mir, von einer Kleinunternehmerin, aber es ist halt keine in Bangladesch unter Ausbeutung produzierte Jean der ein oder anderen großen Kleiderkette). Generell ist alles peinlich, was nicht böse und aggressiv ist. Immerhin sind sie im Kindergarten ja auch im bösen Team. Das jagt Mädchen. Toll, oder?

Gut, zurück zu den Schultaschen. Drachen-zähmen-leicht-gemacht wär noch ein Motiv, auf das wir uns einigen könnten. Gibt’s aber nix G’scheits. Und nein, nein und nochmals nein, ich will keine Transformer oder grimmig schauende Lightning McQueens (das wär ja prinzipiell auch ganz ok, aber nein, wir müssen ihn ja grimmig und entschlossen schauen lassen-aaaaahhhhh). Ey, das ist ein kleines Kind. Er wird immer noch sechs sein, wenn er in die Schule kommt. Er hat ADHS. Er ist wild. Muss man das noch verstärken, wenn er doch auch so wunderbar sanft sein kann, wenn nur die Umstände passen? Aber gut, ich versteh ihn. Ich war selber oft und lang genug Mobbingopfer, um zu verstehen, dass er nicht riskieren mag, dass ihn irgendjemand auslacht und das versichert er mir recht glaubhaft, dass ihn die anderen auslachen, wenn er was ‚liebes‘ an oder mit hat.

Und scheinbar finden das alle völlig ok. Sind ja immerhin Buben, gell?

Aber könnten da nicht auch schön gezeichnete Zauberer oben sein? Bäume? Tiere? Ich find es einfach so schlimm, ehrlich schlimm, wie mein Kind schwankt zwischen daheim, wo er Zwergen unter jedem Baum sieht und seine Birke streichelt und ihr gut zuredet, sie soll schön wachsen und dem ‚draußen‘, wo er so tut als wär er sechzehn und müsste seine Clique und die Mädchen beeindrucken und nicht so ein laufender Meter, den eigentlich noch gar nicht interessieren müsste, was er anhat, Hauptsache ist doch, es ist funktional und er kann damit toben? Brüderchen Wind ist da (noch) ganz anders. Dem passt das aber auch richtig gut. Und der hat absolut kein Problem damit, wenn er süß ist. Nur sagen darf man’s ihm nicht! 😉

Gefunden haben wir sie dann schließlich bei Jako-o, die Schultasche, auf die wir uns beide einigen konnten. Grün ist sie, und ein Drache ist drauf. Ich find tatsächlich, der schaut aus wie ein weiser alter Drache, ein bisschen streng, nicht süß, aber doch sehr sanftmütig. Der wird schon gut aufpassen auf den Wildfang, hoff ich.

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Projekt „Eltern-haben-Rechte“ 1.3 Attachment Parenting und Mama-Foren

Weiter geht’s mit dem Projekt. (OK, ich mag gern was Neues anfangen und muss das vorher fertig machen, daher jetzt so schnell hintereinander) Heute geht’s um die Zeit nach der Geburt. Dieser Beitrag wird nicht lang, auch, weil ich das Thema noch einmal gesondert behandeln möchte, aber der Vollständigkeit halber schreib ich ihn Euch trotzdem.

Viel wird in dieser Zeit von den Rechten des Kindes geredet (und das ist gut so, nicht falsch verstehen), nur mir scheint, es wird vergessen, dass auch Eltern immer noch Menschen mit Grundrechten sind. Besonders vergessen es -so scheint mir- andere Mütter. Vorzugsweise andere Mütter in Foren oder Facebookgruppen. Es ist immer das selbe: eine verzweifelte, übermüdete und überforderte Mama schreibt, dass sie nicht mehr kann, weil das Baby so viel schreit, es so oft trinken will und nie zufrieden ist, weil es mit fast zwei Jahren immer noch stündlich nachts trinken will, es beißt und kratzt, schlecht zunimmt oder was immer. Und dann kommen, früher oder später, die Kommentare, dass das doch ganz natürlich ist. und so gehört. Und überhaupt und sowieso die Mama egoistisch ist, weil das Baby ist doch so klein und wieso wollte sie denn überhaupt Kinder…

… liebe Leute, wenn denn unter meinen Lesern welche sind, die sich jetzt erkennen: bitte, bitte lasst das sein. Die Mamas, die in diesen Gruppen schreiben, sind informiert. Die wissen, dass schreien lassen keine Option ist. Die wissen, dass man Babys nicht nach Stundenplan füttern muss. Die wissen auch, dass die meisten Kinder nicht so schnell durchschlafen. Die sind genau deshalb so verzweifelt, weil sie alles tun, um die Bedürfnisse ihres Kindes/ihrer Kinder bestmöglich zu erfüllen. Und sie stoßen dabei an ihre Grenzen. Ja, natürlich, das tun die meisten Eltern irgendwann, aber das macht es werden angenehmer noch besser. Wenn also eine Mama einen Beitrag schriebt, in dem sie über ihre Verzweiflung spricht, dann glaubt ihr das. Lasst so Sätze wie „Dein Baby braucht Dich jetzt und die Zeit ist so schnell vorbei, genieße sie“- genau das ist es ja, sie KANN die Zeit nicht genießen, wenn sie sich vor Erschöpfung nicht mehr auf den Beinen halten kann. Oder immer Angst vor der nächsten Krise hat. Und genau das tut ihr vermutlich auch so weh, weil sie weiß, wie kostbar diese Zeit ist und dass sie sie genießen muss, weil sie nie wieder kommt und ihr etwas ganz wichtiges fehlen wird, wenn sie die Zeit nur überlebt und nicht aktiv ERlebt. All das macht ja den inneren Druck nur noch stärker. Da hilft es dann auch nichts, wenn ihr ihr erklärt, dass ich auch drei Jahre lang nie länger als zwei Stunden geschlafen habt, alleinerziehend mit Zwillingen wart oder auch keine familiäre Unterstützung habt und das auch hinkriegt. Schön. Ich -und ich glaub, viele mit mir- bewundern Euch zutiefst und verneigen uns vor Euch. Aber das ändert nichts daran, dass wir Normalsterblichen das nicht können. Dass es Menschen gibt, die gehen an chronischem Schlafmangel kaputt- und ja, auch die dürfen und sollen Eltern werden, wenn sie sich das wünschen. Wenn Ihr also keine lieben Worte, eine virtuelle Umarmung oder einen hilfreichen Tipp habt, dann bitte lasst es. Nur zu sagen „ich hab das auch geschafft“ bringt niemandem -mit Ausnahme Eures Egos- irgendwas.

Und so kommen wir dann auch auf die Elternrechte… natürlich ist Stillen das beste für Mutter und Kind. Und natürlich sind Menschenkinder Traglinge. Und selbstverständlich ist es toll für’s Kind, Essen mit allen Sinnen erfahren zu können oder nach Herzenslust Küchenladen auszuräumen. Das alles ist richtig wichtig für die Entwicklung und die Kinder lernen so unglaublich viel dabei und erfahren die Geborgenheit, die sie zum Großwerden brauchen. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist eine Mutter und/oder ein Vater, der das aber nicht ohne weiteres auf einen längeren Zeitraum geben kann. Warum auch immer. Menschen sind verschieden und halten verschiedene Dinge unterschiedlich gut oder schlecht aus. Die eine zerbricht am Schreikind, der andere kann auch nach dem dritten Kind (und trotz echter wiederholter Versuche) keine Windel wechseln, ohne dass ihm übel wird. Wieder der nächste kann keine Wackelzähne sehen oder Erbrochenes aufwischen, steht seinem Kind aber bei einer Operation ruhig und gelassen und mit aller Aufopferung zur Seite. Die eine Mama steckt es problemlos weg, dass ihr Kind drei Jahre lang nur auf ihr lebt, hält es aber gar nicht aus, wenn das Baby dauernd gestillt werden will, während die andere ihr eigenes Bett braucht aber gar kein Problem damit hat, wenn das Kind ständig an die Brust will… was ich damit sagen möchte: nicht jede Situation ist für jeden Menschen gleich gut meisterbar. Und da ist es auch völlig sinnlos, zu sagen, das muss aber gehen, denn ich kann ja auch. Nein. Wenn es nicht geht, geht es nicht. Und ja, dann muss man Alternativen finden, auch wenn das heißt, dass man dem Kind ein Bedürfnis nicht oder nicht vollständig erfüllt. Denn noch viel mehr als alles andere (ok, abgesehen von nicht verhungern und der nötigsten Körperpflege) brauchen Kinder gesunde Eltern. Eltern, die nicht ihre Gesundheit ruinieren. Eltern, die auch auf ihre psychische Gesundheit achten.

In diesem Sinne: seid bitte lieb zueinander. Und wenn die Mama die Absolution zum Abstillen braucht, dann gebt sie ihr. Schreibt es hin. Natürlich muss sie das entscheiden, aber manchmal braucht man einfach jemanden zum reden. Jemanden, der einem sagt, du machst das richtig so. Natürlich hat das Stillen (oder das Tragen, oder das Familienbett oder what ever) unglaublich viele Vorteile für’s Kind und auch für die Mama. Aber manchmal geht es einfach nicht. Es ist -und das weiß ich aus eigener Erfahrung- hart genug, es sich einzugestehen, dass man es nicht schafft, es nicht so funktioniert, wie man es sich doch vorgestellt hat. Und da braucht man dann Zuspruch! Und keine zusätzlichen Zweifel!

Projekt „Eltern-haben-Rechte“ 1.2 -Schwangerschaft und Geburtshilfe

So, Zeit (oder nein, Zeit ist nie, wie machen das alle bloggenden Mamas bitte??) einmal wieder an meinem Projekt weiterzuschreiten. Ihr erinnert Euch vielleicht an den ersten Teil, in dem ich mich ein bisschen damit beschäftigt habe, wer denn -in den Augen der Gesellschaft (oder zumindest in den Augen der diversesten Mama-Gruppen)- denn Kinder bekommen „darf“. Heute komm ich zu meinem nächsten Teil, zu den Rechten der werdenden (und grade gewordenen) Eltern -vor allem der Mütter- in der Schwangerschaft und kurz vor, während und nach der Geburt.

Ich weiß nicht, ob Euch das auch so gegangen ist, aber bei mir war es so, sobald ich schwanger war, war ich scheinbar keine mündige Bürgerin mehr. Ständig hat sich irgendjemand berufen gefühlt, mir zu sagen, was ich denn nun darf und was nicht. Von Sushi angefangen bis hin zur Schlafposition. WTF, niemand hat mir zu sagen, wie ich schlafen darf,  ja? Seine medizinische Meinung äußern, ja, einen Rat geben, ja, aber einer volljährigen, gesunden Frau vorzuschreiben, wie sie schlafen darf,  nein, definitiv nicht. Ok, ihr merkt, das ist ein heißes Thema bei mir. Es macht mich wütend. Es macht mich wütend, was sich Ärzte und Ärztinnen, Bekannte, Verwandte und andere Mütter herausnehmen. Eine schwangere Frau bleibt eine mündige Bürgerin, die alle Rechte hat, die andere auch haben. Solange das Kind in ihrem Bauch nicht geboren ist, ist es vorrangig ihr Körper, über den sie verfügen darf. Sie darf entscheiden, welche Ratschläge sie befolgt und welche nicht (ist ja nicht so, als täten sich die Expertenmeinungen nicht widersprechen). Sie darf auch Dinge tun, von denen ALLE abraten. Und niemand hat das Recht, sie deswegen zu verurteilen. Ja, auch eine Mama, die in der Schwangerschaft raucht, kann eine gute Mutter sein. Ich hatte und habe das Glück, dass ich immer Gelegenheitsraucherin war und nie Probleme hatte, es sein zu lassen. Stört mich nicht. Aber ich kenne andere Süchte und ich bin nicht sicher, ob ich die wirklich ablegen könnte. Ich hoffe es. Ich versuche mir einzureden, ich könnte es, wenn es mein Kind gefährdet. Ich bin mir auch relativ sicher, aber zum Glück muss ich das nicht auf die Probe stellen. Und es steht mir definitiv nicht zu, über jemand anderen zu urteilen.

 

Aber ich schweife ab. Ich glaub, jede Mutter, die sich gegen die Angebote in der Pränataldiagnostik entschieden hat, kennt das:

„Ich möchte die Nackenfaltentransperenzmessung nicht!“

„Ok!“

Bei der Untersuchung misst er erst „nur für sich“. Und mit der Aussage „passt alles!“

Was, bitteschön was ist so unglaublich schwer daran zu verstehen? Frau will es nicht. Ende der Diskussion. Messen für sich darf er schlicht und ergreifend nicht.

Etwas anderes, was ein Arzt oder auch das Umfeld der Schwangeren nicht darf, ist ihr das Gebären an einem bestimmten Ort oder auf eine gewisse Art zu verbieten oder zu „erlauben“. Das entscheidet die Schwangere. Sie wird die Leute um Rat fragen, deren Meinung sie auch hören will. Und alle anderen haben ihr da NICHT reinzureden. Da könnt Ihr Hausgeburten noch so gefährlich finden. ES IST NICHT EUER VERDAMMTES PROBLEM! Ihr findet es unverantwortlich, einen geplanten Kaiserschnitt an einem bestimmten Datum zu wollen? Tja, Pech gehabt, geht Euch nix an! Sie gebiert. Sie entscheidet. Wer das nicht akzeptieren kann, hat im Umfeld einer Schwangeren -speziell als Geburtshelfer- NICHTS verloren.

Liebe Ärzte, Ihr braucht die Verantwortung für einen Geburtsmodus nicht übernehmen. Das machen die Eltern! Wenn eine Frau eine vba2c (Spontangeburt nach zwei aufeinanderfolgenden Kaiserschnitten) ein Jahr nach dem letzten KS probieren will, dann darf sie das und Ihr habt sie bestmöglich zu unterstützen. Oder ihr könnt es nicht, weil Euch das know-how fehlt. Dann dürft Ihr Schwangere gerne an kompetentere KollegInnen weiterverweisen. Aber ihr sicherlich nicht sagen, sie gefährdet ihr Kind, wenn sie keine geplante Sectio machen lässt.

Es gibt sogar die unglaublichen Fälle, wo eine Ärztin den werdenden Vater fragt, wie er denn den (in ihren Augen riskanten) Geburtsmodus erlauben kann. Er ihr erlauben. Es gab einmal sowas wie Feminismus. Irgendwann.

Und niemand darf eine Gebärende zu etwas zwingen. Es ist ihr Körper, sie entscheidet, was gemacht wird. Sie in eine Richtung zu drängen ist Gewalt. Ihr zu sagen, ihr Kind würde sterben, ist Gewalt (wenn es nicht tatsächlich gefährdet ist, was es in solchen Situationen meistens nicht ist). Ist es so schwer? Für eine schwangere oder gebärende Frau gelten Menschen- und Bürgerrechte genauso wie für jeden anderen Menschen. Punkt.

Ich stelle vor: Brüderchen Mus (auch genannt ridiculus mus oder mus musculus domesticus, die gemeine Hausmaus) – Achtung, inklusive Geburtsbericht

Hier ist es ja -wieder einmal- im letzten Jahr recht still gewesen und diesmal war das sogar so halb gewollt. Diese Schwangerschaft war einfach zu anstrengend, die Kommentare bezüglich unserer Wohnsituation und dem dritten Kind zu negativ, als dass ich wirklich hätte darüber schreiben wollen. Ich hatte neben den beiden Großen und einem Hausumbau, der nicht und nicht weitergehen wollte, auch einfach nicht die Energie, mich groß dem Baby in meinem Bauch zu widmen, oder viel über seine Geburt nachzudenken. Hab ich ja alles schonmal gemacht…

 

…ich sag Euch, das rächt sich. Bitter! Tut das nicht, auch wenn Ihr mit dem dritten, vierten, fünften Kind schwanger seid, nehmt Euch Zeit. Plant die Geburt (oder macht Euch wenigstens Gedanken, was Ihr wollt). Ich hatte mir das alles so schön vorgestellt: diesmal würde es bestimmt einfacher gehen als bei Brüderchen Wind, hatte ich doch diesmal kein Geburtstrauma aufzuarbeiten- dachte ich zumindest. Im Pool sollte Upsi zur Welt kommen, nur mit meinem Mann und meiner Hebamme. Entspannt. Vor dem gleichen Ofen, vor dem ich schon das Licht der Welt erblickt habe (kitschig und wirklich kein Schmäh). Im Licht meiner Geburtslampe, die mich schon bei Brüderchen Wind begleitet hat. Ich würde dann ganz cool lässig ein paar Stunden später das Baby in der Nachbarschaft vorstellen gehen, immerhin ist ja eine Geburt keine große Sache, dann, ein paar Tage später, das Baby auf der Gemeinde anmelden gehen (darauf hab ich mich so gefreut, auf die verdatterten Gesichter, denn Hausgeburten gibt’s glaub ich bei uns im Ort eher nicht so viele). Und dann entspannt das Wochenbett genießen, wenigstens einmal. Kein stressiges Stillen, denn diesmal wollte ich gleich gar nicht versuchen, voll zu stillen sondern von Anfang an Brust und Flasche geben (das mit dem Stillen ist bei mir so eine Sache, da wird es einmal einen eigenen Eintrag dazu geben, deswegen geh ich da jetzt gar nicht näher auf die Gründe ein). Alles würde wunderbar sein, wenigstens einmal, denn das sollte ja meine letzte geplante Schwangerschaft sein. So hab ich mir das alles jedenfalls vorgestellt…

… und mein Gefühl, das mich die ganze Schwangerschaft über im Hinterkopf begleitet hat, dass das alles einfach zu schön ist, um so wahr zu werden, hat sich leider bewahrheitet.

Angefangen hat das alles damit, dass bei uns im Haus nichts so fertig war, wie uns vom Baumeister versprochen wurde. Wir sollten vor Weihnachen fertig sein (zumindest der Innenausbau) und real waren wir zu Weihnachten mit Müh und Not dicht. Also gebären auf der Baustelle, yeah! Dadurch hab ich nichts vorbereiten können, keine Notfallkliniktasche, nix. Grad einmal das Notwendigste für die Hausgeburt. Mein Geburtszimmer war ein halber Abstellraum. Aber ich war überzeugt davon, Zeit zu haben. Errechneter Termin war der 9.12. und ich war mir sicher, dieses Mal zu übertragen (Brüderchen Wind kam 39+5). Tja. Die letzten Tage der Schwangerschaft waren furchtbar anstrengend, ich war völlig erschöpft und hatte bei jeder Bewegung Schmerzen. Dann, am 24.11. in der Nacht hatte ich das Gefühl, ich verliere Fruchtwasser. Suuuuuper timing, Upsi, genau das Wochenende, wo meine Hebamme nicht da war. Auf Wehen haben wir umsonst gewartet und nachdem ich dann trotz heftiger Kindsbewegungen „dicht“ war, meinte dann auch meine Hebamme, falscher Alarm. (War auch tatsächlich kein Fruchtwasser, also diese Einschätzung war vollkommen richtig). Gut. In der Nacht darauf bin ich um vier Uhr von einem heftigen Ziehen im Bauch wach geworden. Ok, dann veratmen wir halt. Zehn Wehen auf der einen Seite, zehn (schmerzhaftere) Wehen auf der anderen. In den Wehenpausen hab ich geschlafen und war tiefenentspannt. Um sechs Uhr dann tatsächlich Blasensprung. Aufgestanden. Mann geweckt. Runter ins Bad. Wehenzähler-App runtergeladen. (Hey, Werbung für die Pille danach ist in dieser App auch total richtig positioniert *Ironie off*). Wehen waren weder regelmäßig noch lang genug, also warten. Veratmen. Ich wollte Ruhe, allein sein in meinem Wehenzimmer. Und nur stehen. Um acht Uhr dann hab ich die Vertretungshebamme angerufen und wir haben vereinbart, ersteinmal abzuwarten. Meine Geburten dauern und ich hätte auch ehrlich gesagt keine große Angst davor gehabt, das Kind allein zu bekommen. Diesmal nicht. Diesmal wollte ich nur allein sein, nur mein Mann und ich. Zu Mittag hat mich dann die Hebamme angerufen und nachgefragt, und wir haben ausgemacht, dass sie kommt, auch wenn die Wehen immer noch zu kurz waren. In der Wartezeit waren wir dann noch in der Siedlung draußen spazieren, genau so, wie ich das auch wollte. Dann kam die Hebamme und die erste Unruhe… was mach ich, wenn der Muttermund jetzt nach all den Stunden und all der Arbeit nur fingerdurchlässig ist? Am liebsten hätte ich sie wieder weggeschickt, aber nach Blasensprung ist das halt so eine Sache… wie beneide ich doch die Frauen, bei denen die Blase erst in den Presswehen springt und die alle Zeit der Welt haben. Jedenfalls war diese Sorge zum Glück unbegründet, Muttermund gut 5cm geöffnet, Baby topfit. Weiterarbeiten. Die Wehen wurden schmerzhafter. Zwischenzeitlich sind meine Großmutter und mein Onkel gekommen (wie jede Woche) und haben bei meiner Tante abendgegessen. So schön hätte das sein können, hätten sie dann auch gleich das neue Baby begrüßen können. Nächste Kontrolle um 17:00. Muttermund gut 8cm. Die Hebamme hat gemeint -und da hatte sie recht- dass die Wehen im Stehen recht schwach sind und ich sollte mich hinlegen probieren, dann wär das sicher schnell erledigt. Ich wollte dieses Baby JETZT haben und endlich schlafen, also hab ich mich hingelegt… was vermutlich auch der Fehler war, aber da drüber zu spekulieren bringt nichts. Im Liegen wurden die Wehen schnell sehr unangenehm und die Angst kam. Angst, dass es jetzt wieder noch Stunden dauern wird, so wie bei Brüderchen Wind. Die Hebamme hat mir versichert, das geht jetzt schnell… tat es aber nicht. Diese Zeit war schlimm, richtig schlimm. Ich hatte Schmerzen, wie ich sie gar nicht wirklich beschreiben kann. Der Muttermund war vollständig, eigentlich hätten die erlösenden Presswehen kommen sollen, aber die kamen nicht. Bis Mitternacht haben wir so weitergemacht (Baby war fit und vergnügt… Schnackerl haben im Bauch trotz Blasensprung ist schon eine Kunst. Ein schmerzhafte Kunst, so nebenbei) und dann entschieden, ins Krankenhaus zu verlegen. Ich war am Ende meiner Kräfte und hatte Todesangst, Angst, vor Schmerzen zu sterben. Im Krankenhaus haben sie uns wirklich richtig lieb betreut, keine blöden Kommentare, auch nicht vom Arzt, was absolut keine Selbstverständlichkeit ist, die Hausgeburteneltern unter Euch werden’s wissen. Mit Schmerzmitteln war es dann etwas erträglicher, allerdings kam dann auch der von der ersten Geburt gefürchtete Wehentropf.

Tut das der Narbe eh nix, hab ich gefragt.

Nein, wieso? Die hat schon eine Geburt gehalten.

Stimmt. Und stimmte tatsächlich. Ihr Idioten im LKH Mödling, ich hasse Euch immer noch, aber genäht habt Ihr offenbar gut. Also schön, weitermachen. Um drei Uhr, 23 Stunden nach Wehenbeginn hab ICH dann entschieden, dass das Baby geholt wird. Nie, niemals in meinem ganzen Leben hätte ich geglaubt, je ernsthaft um einen Kaiserschnitt bitten zu würden. Getan hab ich’s trotzdem und ich war so, so erleichtert, als endlich die Spinalanästhesie (hey, Autokorrektur, was soll bitte eine SPINATanästhesie sein????) wirkte und die Schmerzen weg waren. Und auch, dass mich die Anästhesistin sanft dazu gezwungen hat, ich hätte mich ja vor lauter Angst vor der Nadel im Rücken wieder für eine Vollnarkose entschieden. Die Stimmung war entspannt, mein Mann bei mir und so sehr ich um meine Hausgeburt trauere, die Geburt war trotzdem schön. Ich habe entschieden und war zu jeder Zeit informiert, was passiert. Diesmal hat mir niemand das Baby einfach aus dem Bauch geschnitten, diesmal habe ich geboren. Es war in Ordnung. Nicht dieses überwältigende, stärkende, heilende Erlebnis wie beim Brüderchen Wind, aber auch nicht diese schwer traumatisierende Vergewaltigung (nein, das Wort ist nicht unangebracht, birth rape ist ein anerkannter Begriff, der genau das beschreibt, was mir bei meiner ersten Geburt widerfahren ist), die es bei Brüderchen Feuer war. Es war in Ordnung so. Nicht gut, aber in Ordnung. Auch deshalb, weil mein Gefühl richtig war und ich ihn nicht normal gebären hätte können. Nicht, weil er groß und schwer war, sondern weil er sich gänzlich falsch eingestellt hatte und die Position absolut nicht gebärfähig war. Orientierungssinn hat das Kind also offensichtlich von den Omas geerbt.

Die Tage danach im Krankenhaus waren die Hölle. Alle waren so lieb, so bemüht und trotzdem wollte ich nur heim, vor allem die räumliche Trennung von meinem Mann war fürchterlich, ich wollte ihn bei mir haben, immer, nicht nur zu besuch. Und dann erst die beiden Großen, die ja überhaupt nicht auf eine Trennung von mir vorbereitet waren. Am Dienstag bin ich dann heim, musste ich heim, weil Brüderchen Feuer am Mittwoch seinen sechsten Geburtstag hatte.

Die ersten Nächte waren geprägt von Alpträumen und Panikattacken, Todesangst inklusive. Trotzdem -und das erstaunt mich immer noch- hab ich diesmal keine PPD bekommen und es ist erstaunlich, wie easy alles ohne ist. Und dann ist da natürlich noch die Tatsache, dass Mus musculus das absolut süßeste Baby ist, das es gibt. Das teilstillen klappt tatsächlich immer noch wunderbar, was mich sehr freut. Und die Großen sind grandiose große Brüder, ich bin ungemein stolz auf sie beide!

Tja, und wie er so ist? Ein Faulpelz, wie sein großer großer Bruder, der kleine große Bruder hat sich in dem Alter schon lääääängst gedreht. Ein Tragling- muss er ja auch sein. Ein sehr sehr sensibles Kind (hat er von mir). Und er schaut meinen Babyfotos ungefähr so ähnlich wie Brüderchen Wind denen von meinem Mann. Mittlerweile schläft er sogar. Wir sind glücklich. Eigentlich. Ich bin es für den Moment. Aber die Geburt nagt. Die drei Buben nagen (jaaaaa, ich bin eine von den bösen, undankbaren Müttern, denen das Geschlecht nicht egal ist). Nicht, dass ich einen von ihnen tauschen wollte. Niemals! Aber trotzdem ist die Trauer da. Wir werden sehen. Zum in die Zukunft denken komm ich momentan eh nicht. Das ist ein Vorteil vom Alltag mit drei noch relativ kleinen Kinder!

Stoffwindeln – der Bericht über einen glücklich missglückten Versuch

Hallihallo, meine Lieben. Heute einmal ein ganz anderes und ganz (so hoff ich) unverfängliches Thema: vor etwas mehr als einem Jahr haben wir angefangen, mit Stoff zu wickeln und ich wollte Euch jetzt einfach meine/unsre ganz persönlichen Erfahrungen berichten.

Interessiert haben sie mich ja schon lang. Jedes Mal, wenn ich in einem der etwas hm, alternativen Babygeschäfte war, bin ich vor den Stoffies gestanden und hab sie bewundert, weil sie so schön bunt waren und sie ja eigentlich so gut reinpassen in mein möchtegern-teilzeit-Öko-Konzept. Gesiegt hat das aber doch immer das große ABER. Aber die Wäsche. Und es ist grauslich. Und sicher werden die Kinder wund davon. Und ich schaff’s eh schon jetzt nicht und überhaupt und sowieso. Dann fingen in meinem Umkreis immer mehr Mamas mit Stoff an und irgendwie wird das Thema dann immer interessanter. Mein Tod sozusagen war dann, dass unser nächstgelegenes Kindergeschäft auch Stoffwindeln ins Sortiment genommen hat. Und in meinem neugierigen Hirn hat sich eine Idee gebildet: vielleicht würden die Stoffies meinem Großen ja beim Trockenwerden helfen? Weil klar, in Pampers spürt das Kind nicht, wenn es nass ist. (Als Erklärung dazu: Brüderchen Feuers Blase hat noch nicht kapiert, dass sie ihn nachts aufwecken muss zum pinkeln. Tagsüber klappt es schon lang.) Und dann könnte es ja Brüderchen Wind auch unterstützen, von dem wir ganz fest geglaubt haben, dass er im letzten Sommer sauber wird. Also haben wir den Versuch gewagt (nein, ich. Über den Kopf der anderen Beteiligten hinweg *duck und weg*)

Langer Rede kurzer Sinn: der Versuch ist kläglich gescheitert. Weder Brüderchen Feuer noch Brüderchen Wind wurden/werden dadurch in irgendeiner Form schneller ihre Windeln los. Geblieben sind die Stoffwindeln trotzdem und haben sich irgendwie auf wundersame Weise (gaaaaanz von selber, ihr kennt das. So wie Tragtücher) vermehrt. Bei einem System geblieben bin ich nicht. Ich fand’s viel viel netter, verschiedene Systeme (und natürlich Designs) zu haben. Echter Spaßfaktor beim Wickeln. Beide Kinder, die immer wieder mit Windeldermatitis zu tun hatten, waren mit den Stoffies eigentlich nicht mehr wund, wohl dann aber in den www (Wegwerfwindeln). Also wund, nein, das wär jetzt übertrieben, aber rot. In den Stoffwindeln hat sich das immer wieder schön schnell beruhigt. Brüderchen Wind ist übrigens ausgerechnet bei  Familientreffen in Portugal vor knapp zwei Wochen sauber und trocken geworden. In den nächsten Tagen werden wir’s auch nachts ohne Windeln wagen. Ich seh das definitiv mit einem lachendem und einem weinendem Auge, aber eigentlich ist es total cool eine super Entlastung. Und -Memo an mich selbst- ich werd mich nie wieder beschweren, wenn ein Kind „erst“ mit drei sauber und trocken wird. Denn dann sind sie auch vom Kopf wirklich so weit und Unfälle passieren eigentlich kaum. Also grad bei Brüderchen Wind war es richtig schnell und zuverlässig. Selbst die Fahrt nach Graz und wieder zurück hat er trocken überstanden. Ich bin so stolz auf ihn! Und es ist ja nicht so, dass die Stoffies lange ungebraucht sein werden, denn wir werden Upsi definitiv von Beginn an mit Stoff wickeln (huhu und wink an alle Nachbaren, Freunde, Bekannten, die das noch nicht mitbekommen haben: ja, ich bin schwanger. Nein, es war absolut nicht so geplant. Nein, wir wissen nicht so richtig, wie das alles funktionieren wird. Doch, wir freuen uns trotzdem ganz ganz sehr! Und jaja, wir wollten tatsächlich ein drittes Kind… nur wenn’s nach uns gegangen wäre, dann vielleicht nicht grade jetzt in der Bauphase!) und ich bin schon so neugierig, wie das mit einem Neugeborenen wird… Windeln und sonst nix *hach*.

Aber wieder zu den Windeln und meinen Erfahrungen damit. Ich hab mir gedacht, ich schreib Euch übersichtlich einige Aspekte, die mir so am Anfang durch den Kopf gingen, auf.

  • Man muss so oft wickeln: Jein. Ja, man muss öfter wickeln als mit www, das stimmt. Sollte man aber ja eigentlich eh. Aber ja, grade bei Ausflügen und so muss man das natürlich einrechnen. Ich hab dann für längere Fahrten halt oft www genommen. Also teilzeit-stoffwickeln geht definitiv auch gut. (Zumal wir wwws und Windelkübel eh hatten/haben mussten, weil sie im Kindergarten keine Stoffies genommen hätten). Bei Upsi möchte ich das probieren, auch mit den Stoffies wegzugehen und werd dann definitiv berichten, wie das so ist!
  • Halten sie dicht? Um… ja. Unterschiedlich gut und lang, aber ja, sie halten durchaus (sonst würden wir alle das ja auch nicht mache, wenn die Windeln nur rinnen würden). Ich komm je nach System auf zwei bis fünf Stunden, die die Windeln aushalten, wobei die fünf Stunden ausschließlich die Überhosen mit Einlagen geschafft haben (generell das verlässlichste System, find ich). Nachts stopft man dann natürlich dicker (sie müssen ja dann damit nicht herumrennen) und dann halten die schon auch gut. Wobei wir da die höchsten Fehlerquoten hatten und grad jetzt beim Großen eigentlich täglich Pyjama wechseln. Da muss ich definitiv wegen anderen (= saugstärkeren) Einlagen schauen. Aber zumindest bei meinen beiden waren Wegwerfwindeln nicht wirklich verlässlicher (außer Pampers, aber die kann sich auf drei Jahre Wickelzeit doch keiner leisten… also nicht keiner, aber die sind schon unverschämt teuer). Also: ja, bei uns sind sie öfter ausgeronnen als Pampers, aber nicht öfter als alle anderen Windelmarken, von daher würd ich eigentlich definitiv sagen, sie halten genausogut dicht wie wwws.
  • Aber die ganz Wäsche… Zugegeben, davor hatte ich auch den größten Respekt. Aber tatsächlich sind das zwei Maschinen in der Woche mehr, also eigentlich nicht schlimm. Ich bewahre die ausgewaschenen gebrauchten Windeln in einem Webtag auf und wasche alle zwei, ganz selten drei Tage. Es hat allerdings ein bisschen gebraucht, bis ich die Windeln richtig sauber bekommen hab (also so, dass man die Nase reinstecken kann und nicht riecht, dass die je in Gebrauch waren). Ich wasche auf 60°C intensiv und mit Wasser plus, wobei ich da jetzt probieren muss, ob es das wirklich braucht. Der Hänger bei uns war nämlich, dass unsere Maschine Wasser spart und dadurch nach der Vorwäsche nicht abpumpt. Und damit wäscht man dann natürlich die ganze Zeit mit der Suppe… jetzt spül ich nur die Windeln vorher durch und gib dann erst die restliche Weißwäsche dazu und nix stinkt mehr. Die PUL-Überhosen trocknen sehr schnell und den Rest kann man super auch in den Trockner geben, wenn’s schnell gehen muss. Also so kann ich nicht sagen, dass die Wäsche jetzt so ein Drama wäre.
  • Es ist so viel Arbeit… Ja, es ist etwas mehr Arbeit, aber ich muss sagen, ich persönlich hab das als nicht so schlimm empfunden. Wie ich wasche hab ich Euch ja schon oben beschrieben, dann trocken sie (die Höschenwindeln sind manchmal ein bissl mühsam… saugen gut, aber trockenen halt auch entsprechend langsam) und dann richte ich die Windeln fix und fertig her. Das nimmt halt alle zwei Tage ein bisschen zeit in Anspruch, aber ich hab das unglaublich entspannend gefunden (jetzt sind ja nur noch die zwei Windeln von Brüderchen Feuer, das ist in zwei Minuten erledigt). Und dadurch, dass die Windeln fertig sind, geht das eigentliche Wickeln dann auch nicht wirklich langsamer als mit www. Einzig das mit der hand auswaschen (grad wenn das Windelflies verrutscht ist und ein großes Geschäft drinnen war) ist gewöhnungsbedürftig. Aber dafür muss man halt nicht den Windelsack wegführen (und der ist erst grauslich) und kann eigentlich auch nie keine Windeln zuhause haben, weil im allerschlimmsten Notfall wäscht man eine Überhose mit der Hand aus und legt eine normale Mullwindel rein.
  • Aber die liegen doch dann immer im Nassen! Stimmt, stört aber absolut nicht! Am Popsch sind nur das Windelflies und der Stoff. Keine Chemie. Bei mir eigentlich immer Baumwolle, etwaige andere Einlagen liegen unten. Und weniger atmungsaktiv als eine www ist der PUL auch nicht, der dann als wasserdichte Schicht drüber ist. Das nass sein hat beide Kinder nie, auch nicht am ersten Tag der Umstellung, gestört.
  • Und der Riesenwindelpopsch? Grins. Ja, sicher ist eine Stoffwindel dicker als eine www. Aber das stört die Kinder nicht und es ist einfach SO süß. Aber man muss natürlich evtl. bei Bodies und einteiligen Pyjamas eine Nummer größer nehmen. Grad eben in der Nacht stopft man da mehr rein und dementsprechend dick sind die dann!

Was der für mich aber wichtigste Beweggrund ist, ist die Frage der Umweltverträglichkeit. Es stimmt natürlich, dass auch Stoffwindeln produziert und transportiert werden müssen, und sie müssen gewaschen werden, aber sie sind trotzdem um vieles umweltverträglicher als www. Besonders in einem Land wie Österreich, wo die meiste Zeit Wasser im Überfluss da ist. Gibt man sie mit der restlichen Wäsche in den Trockner, dann kommt da der Energieverbrauch natürlich dazu. Aber wie gesagt, es sind bei uns zwei Wäschepartien pro Woche mehr und das kann ich durchaus vertreten. Denn auch eine www braucht Wasser und Energie um produziert zu werden. Die viel wichtigere Sache ist der Müll. Ich weiß jetzt die Zahl nicht, wie viele Tonnen es pro Kind und Wickelzeit sind, aber das ist alles giftiger Plastikmüll. Von den Chemikalien, die bei der Produktion verwendet werden, die Kinder dann am Popsch haben und die dann wieder abgebaut werden müssen, fang ich jetzt gar nicht an. Dazu kommt das Mikroplastik, das frei wird, wenn diese Windeln sich zersetzen. Bei einer Stoffwindel fällt maximal das Windelflies an, und das ist biologisch abbaubar und kann in die Biotonne (die Sache mit dem Windelflies ins Klo ist eine eigene Problematik und definitiv noch verbesserungswürdig). Und wenn sie dann wirklich einmal kaputt sind, dann bleibt da Stoff und ein kleines bisschen PUL… definitiv eine bessere Müllbilanz als bei www.

Die Sache mit den Zähnen…

… ich hab in letzter Zeit gefühlt tausend Mal unter verschiedenen Blogs, in Foren und auch im „real life“ diskutiert und irgendwie lässt mich das Thema nicht mehr los. Es macht mir Angst. Es macht mich sprachlos. Und ja, ich weiß, ich mach mich bei den ganz konservativen APlern (Attachment Parenting, Anm.) sehr unbeliebt, aber das mach ich mich mit diesem Blog sowieso. Irgendwie kristallisiert sich das auch langsam als Sinn dieses Blogs heraus, but first things first, Thema Körpergrenzen.

Klassische Situation. Ein Babyforum, eine einschlägige fb-Seite und die Frage: wie schafft Ihr das mit Euren Kindern und dem Zähneputzen. Und spätestens im dritten Beitrag erwähnt jemand, dass sie das nein ihres Kindes akzeptieren und lieber auf die Zahnpflege verzichten als die (Körper-)Grenzen des Kindes zu übergehen.

Das erste Mal war ich „nur“ baff. Mittlerweile macht es mich wütend. Nein, nicht, dass manche Eltern sich dazu entscheiden, ihren Kindern nicht regelmäßig die Zähne zu putzen. Das geht mich nix an, und ich gehe einfach davon aus, dass sie genügend reflektiert haben und diese Entscheidung für sich nach bestem Wissen und Gewissen getroffen haben. Ich verstehe es nicht, so wie ich auch nicht verstehe, warum man nicht impft, aber ich muss auch nicht alles verstehen. Es ist nicht meine Aufgabe und ich bin auch nicht unfehlbar und gehe daher auch nicht davon aus, dass mein Erziehungsweg der einzig richtige ist. Von dem her, leben und leben lassen.

Nein, wütend macht mich etwas anderes: dass mir ebendiese Eltern vorwerfen, meine Kinder zu misshandeln. Nein. Verdammt nochmal, nein. Bei allem Respekt und allem Verständnis für unterschiedliche Erziehungsstile und Prioritäten, aber geht’s Euch noch gut? Ich misshandle meine Kinder nicht, ich tue meine Pflicht! Meine Kinder haben nämlich ein Recht auf körperliche Unversehrtheit und dazu gehören meiner Meinung nach auch gesunde Zähne. Jetzt ist Zähneputzen etwas, was niemand so richtig gerne macht, glaub ich. Oder fast niemand, Ausnahmen bestätigen immer die Regel. Wir machen es, weil wir gelernt haben, dass das einfach dazugehört. Man macht es ohne zu denken, ganz automatisch. Das heißt, wir machen das, wenn wir es als Kinder so gelernt haben. Und da liegt glaub ich auch der Hund begraben: natürlich kriegt ein Kind bei normaler Ernährung nicht von einem Mal nicht putzen Karies. Vermutlich auch nicht, wenn öfters nicht geputzt wird, aber dann geht eben genau diese Selbstverständlichkeit verloren. Dann wird eben nicht geputzt, wenn man keine Lust hat. Und das wird dann ein Problem. Gesunde Zähne kann man nicht ersetzen, man kann das nicht wieder reparieren. Und vor allem gibt sich das weiter. Wenn wir also heute unseren Kindern nicht Zähne putzen, weil sie grad nicht wollen, schaden wir nicht nur potentiell unseren Kindern selbst, sondern auch unseren etwaigen Enkeln. Denn auch die werden manchmal nicht putzen wollen. Und da es unsere Kinder nicht gelernt haben, dass Zähneputzen dazugehört, werden sie auch unsere Enkel nicht zu einer ordentlichen Zahnpflege erziehen usw. Das gebe ich zu Bedenken, wenn jemand meint, die Grenzen des Kindes sind wichtiger als Mundhygiene.

So, und nachdem ich mir jetzt das Thema, das mich so aufwühlt, von der Seele geschrieben habe, möcht ich da gerne noch „dahinterschauen“. Was hat es mit den Körpergrenzen der Kinder und ihrer (nicht) Beachtung auf sich? Ich hab versucht, Euch hier meine Sicht der Dinge zu veranschaulichen.

Der Sinn dahinter ist, dem Kind zu vermitteln, dass niemand etwas mit seinem Körper machen darf, was Kind nicht möchte. Sehr gut, sehr sehr wichtig. Das soll unsere Kinder vor körperlichen Übergriffen schützen und ihr Selbstvertrauen stärken. So weit, so gut. Bis dahin geh ich vollkommen d’accord. Nur ist es meiner Meinung nach ein ganz gewaltiger Unterschied, ob es um die Eltern oder sonstige nahe Verwandte geht oder um alle anderen. Es ist nuneinmal so, dass kleine Kinder noch nicht die volle Reichweite ihrer Entscheidungen absehen können. Das heißt, sie wissen nicht, dass sie schmerzhafte Löcher in den Zähnen bekommen, wenn sie nicht putzen. Sie wissen nicht, dass sie einen wunden Hintern bekommen, wenn sie sich nicht wickeln lassen. Und genau dafür sind wir -ihre Eltern- da. Selbstverständlich tue ich alles, um die Kinder davon zu überzeugen, dass das alles eigentlich ganz witzig ist. Zahnputzgedichte, Lieder, gut zureden… und oft klappt es auch. Aber halt nicht immer. Und ja, dann setze ich mich über das ’nein‘ meiner Söhne hinweg. Ich rede und erkläre viel, auch hinterher. Das finde ich wichtig, dass meine Kinder wissen, warum ich was tue oder auch, warum ich ihnen manche Dinge nicht erlaube.

Etwas ganz anderes wäre es, die Kinder zum Kuscheln zu zwingen. Das ist in der Tat übergriffig und da muss das Kind ganz klar sagen dürfen, nein, das mag ich nicht und das haben auch alle zu akzeptieren. Aber was noch ganz ganz wichtig ist: achtet Eure eigenen Grenzen. Auch Euren Kinder gegenüber. Denn der nachhaltigste Erziehungsstil ist immer noch das gute Vorbild!

Osterurlaub- irgendwas ist immer

Meine Lieben, ich hab versprochen, den Blog wieder etwas mehr zu beleben und das versuch ich jetzt auch zu halten und erzähl Euch gleich einmal von unserem Osten-Kurzurlaub in Italien:

Geplant war ja eine Mischung aus Wander- und Anschauurlaub, damit alle auf ihre Kosten kommen und die Kinder entsprechend ausgepowert sind… jo eh. Wir waren noch nicht einmal gescheit im Quartier, da ist Brüderchen Feuer sichtlich verfallen und hat von jetzt auf gleich richtig hoch gefiebert- herrlich! Wir hatten aber das große Glück, nicht in einem Hotel, sondern in einem Apartment zu wohnen, in dem wir selber kochen konnten (war das italienische Äquivalent zu ‚Urlaub auf dem Bauernhof‘ und echt echt nett) und somit Brüderchen Feuer bei uns in der Küche sein konnte, wir aber trotzdem am Abend was zu essen hatten, was auch Brüderchen Wind sehr geschätzt hat! 😉

Wir sind dann -bedingt durch ein etwas angeschlagenes (dafür aber seehehr angenehm entspanntes) Brüderchen Feuer- doch mehr mit dem Auto unterwegs gewesen als zu Fuß, aber alles in allem war das schon ok so.

Highlights waren auf jeden Fall die Ziegen beim Quartier (Brüderchen Wind konnte sich gar nicht trennen), das Schmetterlingshaus, dem wir bei der Hinfahrt einen Besuch abgestattet haben und das Picknick am Isonzo-Delta und der sprichwörtliche Vogel, den Brüderchen Wind in Aquileia abgeschossen hat, nachdem ich ihn im Onbu auf den Glockenturm rauf- und wieder runtergetragen hab (der Papa hatte die genauso schwere Fototasche mit) und er unten voll Erleichterung ausruft „Hammas geschafft!!“.

Fotos werd ich bei Gelegenheit einmal herzeigen, dazu brauch ich nur ersteinmal mehr Zeit!

Lang lang ist’s her…

Meine Lieben, ich trau mich ja fast schon nichts mehr schreiben, nachdem ich mich soooooo lange nicht gemeldet hab, aber in den letzten eineinhalb Jahren ist einfach so viel passiert, dass ich weder Zeit noch Nerven zum bloggen hatte, aber jetzt hab ich mir fix vorgenommen, wieder öfter, vielleicht sogar regelmäßig zu bloggen (*hust* das nehm ich mir bei meinen Fanfics auch immer vor *hust*).

Also, was ist in der elendslangen Zeit passiert?

Viel.

-Wir sind jetzt endgültig zurück in meine alte Heimat gezogen und sind jetzt ein richtiger echter Mehr-Generationen-Haushalt.

-Ich hab mittlerweile den ersten Teil meiner Trageberaterinnen-Ausbildung gemacht.

-Wir mussten uns leider im Herbst von unseren Lamas verabschieden. Wir sind immer noch sehr traurig drüber und wollen irgendwann einmal wieder Neuweltkameliden haben (diesmal aber eher Alpakas), aber momentan sind wir mit Ausbauen voll und ganz ausgelastet.

-Mitterweile gehen beide Kinder hier in den örtlichen Kindergarten und inzwischen schaffen wir es meistens sogar, zu frühstücken, zu Fuß in den Kindergarten zu gehen und trotzdem noch rechtzeitig in den Kindergarten zu kommen. *stolz bin*

-Und wir haben auch endlich einen Kostenvoranschlag für den Umbau- jetzt holen wir noch ein Gegenangebot ein und dann können wir hoffentlich endlich auf die Bank und dann zum bauen anfangen!

-Ich schreibe mittlerweile meine zweite Geschichte auf Fanfiktion.de. Funktioniert gar nicht so schlecht! 😉

Tja, mehr fällt mir grade nicht ein, obwohl’s mir vorher so viel vorgekommen ist. Vielleicht fällt mir noch was ein, dann date ich das später up. (Öhm, das heißt nicht wirklich so, oder?)

Alles Liebe und noch eine schöne Restwoche!

#Refugees welcome

So, meine Lieben, eigentlich wollte ich darüber hier nichts schreiben, weil ich es irgendwo müßig finde. Die Lager sind festgefahren. Und ein Beitrag in einem unbedeutenden Blog mehr oder weniger ändert daran auch nichts. Jetzt aber -nachdem auf einer Plattform, die ich immer für sehr aufgeschlossen, informiert und liberal gehalten habe, ein Artikel erschienen ist, den ich für wahnsinnig gefährlich halte- muss ich einfach meine Meinung dazu sagen.

Es war ein ehrliches Schreiben, in dem die Autorin über ihre Angst vor dem Terror, den die aus Syrien, Afghanistan und dem Irak flüchtenden Menschen mit sich bringen könnten, schreibt. Über die Angst, dass Werte, die unsere Gesellschaft gemeinhin dem Islam zuschreibt, „unsere“ Werte überlagern. Sie schreibt von einer befreundeten Psychologin, die mit den Flüchtlingen angeblich nicht arbeiten kann, weil sie sie als Frau nicht akzeptieren. Sie spricht von Terroristen, die unter uns lauern und gezielt jene Menschen gegen uns, gegen das sichere Europa, aufhetzen, deren Nerven und Geduld ob der langen Flucht und der emotionalen, psychischen und physischen Strapazen am Ende sind. Sie schreibt, sie habe Angst.

Ja, ich verstehe die Angst. Terror ist erschreckend. Angsteinflößend. Terror ist -neben den Folgen der Umweltschäden, die wir anrichten- die größte Bedrohung, der wir ins Auge sehen müssen. Terror ist unberechenbar. Terror hat keinen Sinn, kein Ziel. Terror heißt Angst, Schrecken, Chaos. Niemandem trauen können. In einer Umgebung zu leben, wo der Terror regiert, ist wahrscheinlich unser allerschlimmster Albtraum. Es stiftet Misstrauen. Man fragt sich, wie man sich am besten schützen kann. Sich und seine Lieben. Man schließt sich den Irren vielleicht selber an, weil man sich der Illusion hingibt, dadurch in Sicherheit zu sein. Hand auf’s Herz, würdet Ihr töten, um Eure Kinder zu schützen, Eure Eltern, Eure Partner? Euch selbst? Ich weiß es nicht, und ich gehöre zu jenen privilegierten Menschen, die diese Entscheidung nicht treffen müssen. Der Gedanke, es doch einmal tun zu müssen, weil auch bei uns eine Terrororganisation die Oberhand gewinnt, ist furchteinflößend. Und das fiese ist, sie ist gar nicht unrealistisch. Und -und da geb ich der Autorin des von mir oben genannten Beitrags ganz recht- es liegt an uns, jetzt richtig zu handeln, um genau das zu verhindern. Aber ganz bestimmt nicht, indem wir die Flüchtenden genauer kontrollieren, sie noch länger an den Grenzen warten zu lassen, in Kälte und Angst, erschöpft von einem unvorstellbar anstrengenden Marsch. Dort sind Kinder, Schwangere, Alte und Kranke. Und letztlich kann jedeR von ihnen einE TerroristIn sein. Wir können es nicht wirklich kontrollieren. Machen mich gewisse Sympathien zu Grünen und KPÖ zur Linksaktivistin? In den Augen irgendeines Geheimdienstes bestimmt. Ist jeder Mensch, der einmal einen Facebookeintrag von HC Strache geteilt hat ein Nazi? Nein, bestimmt nicht. Ein fester Depp, ja, aber nicht zwangsläufig ein Nazi. Aber genau das sind die Sachen, die wir überprüfen können. Was glaubt Ihr, wie viele Unschuldige so verdächtigt werden? Und glaubt Ihr im Gegenzug, dass man so einen „echten“ Terroristen findet? Höchstens nach dem Zufallsprinzip. Wir können also nicht verhindern, dass Menschen mit terroristischen Ambitionen unter uns weilen. Die kommen sowieso, auch ganz ohne Bürgerkriege und Flüchtlinge. Aber es stimmt, die momentane Situation birgt Gefahren. Weil wir da Menschen auf einem Haufen zusammenpferchen, die durch die Hölle gegangen sind, die jeden Tag wieder aufstehen, ohne zu wissen, was auf sie zukommt. Die keinen Tag planen können. Die Verluste erlitten haben. Die Angst um ihre Lieben haben. Es braucht nicht mal besonders viel Einfühlungsvermögen, um zu erraten, dass Emotionen da hochkochen. Klar, dass diese Menschen anfällig sind für Radikalisierungen. Wir haben eine einzige Möglichkeit, um diese Radikalisierung zu verhindern. Wir müssen diesen Menschen ein menschenwürdiges Leben hier bieten. Egal, ob sie jetzt vor dem Krieg fliehen oder vor Hunger oder vor was auch immer, wir werden es doch wohl schaffen, diesen Menschen ein Dach über dem Kopf, warme Malzeiten, psychologische Betreuung und Beschäftigung zu geben? Wie viele Häuser und Wohnungen stehen leer? Wie viele Lebensmittel in allerbestem Zustand werden weggeworfen? Wie viele von uns haben mehr Laptops und Handys als sie verwenden? Sollten genug Ressourcen sein, um 300000 Menschen zu versorgen, oder? Ohne sie in ein Lager zu pferchen. Ein Lager. Das erinnert mich an etwas. Nein, ich vergleiche Traiskirchen nicht mit Auschwitz. Nichts kann oder darf man mit Auschwitzt vergleichen. Aber es erinnert mich daran, und allein das ist schon zu viel. Niemals wieder darf die Menschheit in diese Richtung auch nur denken.

Ach, „wir“ sollten zuerst kommen? Was macht „uns“ denn besser? Ja, ich weiß, es gibt hier in Österreich auch Menschen, denen es so richtig -sorry- beschissen geht. Ich kenn diese Seite. Mein Leben ist okay, aber ich kenne schlimme Zeiten. Verhältnismäßig schlimme. Aber das ist nichts gegen das, was die Menschen in Syrien durchmachen. Also: mein Leben ist okay. Diese Menschen nehmen mir nichts weg. Die Hypo nimmt mir Geld weg, ja. Oder dem Staat, das er ansonsten für soziale Zwecke ausgeben könnte.

Da kommen auch Idioten mit? Ganz bestimmt. Wir reden von VIER MILLIONEN Flüchtlingen. Da muss mindestens eine Million Deppen dabei sein. Aber die gibt es überall. Das sind die Menschen. Entgegenwirken kann man solchen Leuten nur mit Menschlichkeit und Bildung. Nicht mit Zäunen.

Und wir haben Angst, von muslimischen Machos überrannt zu werden? No mei. Wo ist der Unterschied zwischen muslimischen Machos und christlichen Machos? Junge syrische Männer wollen nicht mit einer Psychologin reden. Und österreichische Automechaniker reden nur dann sinnvoll mit mir, wenn mein Mann dabei ist. Oder nein, dann reden sie mit meinem Mann. Wo ist der Unterschied? Sie gehen mir beide am Senkel, und ich kann nur versuchen, meine Söhne zu besseren Männern zu erziehen. Und jene Menschen mit offenen Armen empfangen, die nicht das Glück hatten, in einem sicheren, reichen Land geboren worden zu sein.

Ein bisschen mehr Italien…

Zuallererst, meine lieben Leser, schicke ich Euch ganz herzliche Urlaubsgrüße aus dem schönen Cesenatico. Ein bisschen was vom Urlaub im Paradies hat es ja schon: wir sind fünf Erwachsene auf zwei Kinder, das heißt, jeder kann von Zeit zu Zeit durchschnaufen. Und dann ist da das Meer, das so schön klar ist, und alles ist irgendwie friedlich. Da schaut niemand böse, da hetzt niemand… oder wir sehen es nicht, denn dass sich natürlich auch in Italien jenseits der Hotels das Rad des Alltags dreht, ist mir schon klar. Trotzdem. Ich fühl mich wohl, und ich bin ehrlich traurig, dass der Urlaub morgen schon wieder zu ende ist. Und ich mag versuchen, mir ein bisschen was davon mitzunehmen. Von den Babyparks, davon, dass hier, zumindest für uns Urlauber, die Relationen noch stimmen. Grade eben ist uns Söhnchen Feuer abgezischt. Er wollte nur Hände waschen gehen (hat er gesagt…) und dann ist ihm eingefallen, dass er vielleicht doch ins Hotel zur Oma will. Blöd nur, dass er sich in der Straße geirrt hat. Jetzt ist mein Mann und seine Familie aber seit mittlerweile 30 Jahren in dem Hotel, immer wieder grob zur selben Zeit, und da kennt man ihn und seine „Brut“ schon, also wurde das abtrünnige Söhnchen schnell gefunden und eingefangen. Und ehrlich? Niemanden juckt’s. Sie lachen und schütteln den Kopf über diesen kleinen Sturschädel, aber niemand macht ein großes Tamtam. Und niemand droht meinem Mann mit dem Jugendamt, weil er die Aufsichtspflicht verletzt hat. Nicht einmal mich schockt das jetzt sonderlich, obwohl es das bestimmt sollte, immerhin ist Söhnchen Feuer allein über die Straße, und er hätte sich ja wirklich verirren können. Ja eh. Hätte. Hat er nicht. Alles ok (bis auf seinen Zorn, weil allein wohin darf er nach der Aktion erst einmal nicht mehr). Genauso ist es hier am Abend. Wir selber waren gestern bis halb zwölf unterwegs, mit einem quietschvergnügten Söhnchen Feuer und einem im Buggy schlummernden Söhnchen Wind. Auf dem Heimweg sind wir an einer Bank vorbei, da hat eine Mama ihr Baby gestillt, das war vielleicht 5 Tage alt. Mehr wohl kaum. Das große hat sich derweil mit seinem Papa im Babypark vergnügt. Mama angeregt tratschend mit zwei Freundinnen, ebenfalls mit schlafenden Kleinkindern im Wagerl. Urlaub. Entspannung. Leben mit dem Wetter, der Jahreszeit und den Tagen. Es ist heiß, alle schlafen zu Mittag. Kunststück, dass die Zwergis dann am kühleren Abend lebendig werden. Wie absurd wäre es da, sie um acht ins Bett zu stecken? Und dann denk ich dran, dass ich mich schon rechtfertigen musste, dass meine um neun noch herumgerannt sind (im heimischen Garten), wie es bei uns die 38° gehabt hat. Aber Kinder müssen und Kinder sollen und Kinder gehören und was ist mit dem Rhythmus und so gewöhnen sie sich nie und der sowieso ist schon und der sowieso ihre zwei sind auch schon längst und BLA BLA BLA. Warum vertraut eigentlich niemand mehr drauf, dass die Eltern schon wissen, was sie tun? Stichwort Babypark übrigens… hab ich je erwähnt, dass ich die Dinger sehr genial finde? Ja, es düdelt und ist Plastik und sicher pädagogisch nicht wertvoll, aber hey, die Kleinen haben da so einen Spaß! Ist ja nur für die Woche Urlaub im Jahr. Und es ist alles so schön unkompliziert. Kind kann was noch nicht allein? Setz ma halt den Papa hinten drauf. Bissi gefährlich? Sicherlich. Sehr gefährlich? Nein. Altersbegrenzungen? Nennen wir’s lieber Richtlinien. Oder nennen wir’s: wen interessiert’s?. Eigenverantwortung eben. Eine schöne Erfahrung, auch für mich.

Was bleibt? Die Entspannung fürchte ich nicht lange. Die Erkenntnis, dass bei uns so vieles SO schief rennt auf jeden Fall. Schöne Fotos. Krabbe auf Brüderchen Winds Rücken, während Brüderchen Feuer ihr eine schöne Reise zurück ins Meer wünscht. (Memo an mich selbst: neue Urlaubslieblingsbeschäftigung: Krabben fangen. Und Einsiedlerkrebse. Und sie natürlich gleich wieder in die Freiheit entlassen). Schlafende Kinder am Strand.

Leider keine Hippo-Fotos mehr. Hippo ist weg. Wir sind traurig. Hippo war eine Plastikfigur, ursprünglich wohl von einem Karussell oder sowas. Hippo war über 30 Jahre alt. Es gibt ein Foto, da sitzt ein kleiner blonder Bub, ein Jahr alt vielleicht, grinsend auf Hippo. Und es gibt ein Foto von letztem Jahr, da sitzt sein kleiner Sohn 33 Jahre später auf ebendiesem (sehr ausgebleichten) Hippo. Der Lauf der Zeit…